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Max Retschlag: Die Alchimie und ihr großes Meisterwerk der Stein der Weisen

Transcribed by Johann Plattner, 1997.
Back to alchemical texts in German.

Die Alchimie
 
und ihr großes Meisterwerk
 
der Stein der Weisen
 
 
 
Von
Max Retschlag
 
1934
_____________________________________________________
Richard Hummel Verlag, Leipzig
 

Inhaltsverzeichnis
 
 

 

Vorwort
 
   Meine im Jahre 1921 im Richard Hummel Verlag, Leipzig, erschienene Broschüre mit dem Titel "Das Gold der Alchimie", die den gleichen Stoff behandelte, ist vergriffen und sollte in neuer Auflage erscheinen. Dies gab die Veranlassung zu einer Durchsicht, um gegebenenfalls Änderungen und Ergänzungen vorzunehmen.
   Das seit Erscheinen dieser Broschüre weiter fortgesetzte Studium des behandelten Stoffes führte mich in Verbindung mit praktischen Versuchen zu einer von der ersten abweichenden Auffassung, konnte mir eine besseres Verständnis besonders auch des großen Meisterwerkes vermitteln, so daß an Stelle der durchgesehenen und ergänzten früheren Arbeit etwas Neues entstand, die vorliegende Schrift.
   Es ist ein gedrängter Überblick über die Alchimie, der zeigen soll, daß sie nicht die Mißachtung verdient, mit der sie Unverständnis ablehnt. Besonders gilt dies vom eigentlichen Kern der Alchimie, ihrem großen Werk, dem geheimnisvollen "Stein der Weisen". Unter Anführung von Belegen aus den Werken wahrer Kenner habe ich versucht, dieses Werk in seinen verschiedenen Aspekten verständlich zu machen, soweit es nach alter Tradition erlaubt ist. Des Leser möge entscheiden, ob dieser Versuch gelungen ist.
   Wie aber der Leser mit Recht vom Verfasser Sorgfalt und Mühe fordert, so kann auch der Verfasser eine Forderung stellen: der ernsthafte Leser möge für eine kurze Zeit die von anderen übernommenen Vorurteile ablegen, die Bürde der bejahenden und verneinenden Begriffe, mit denen ihn eine moderne Erziehung belastete, wir werden uns dann besser verstehen können.

   Leipzig, im Sommer 1932.
                                                                                          Der Verfasser.
 
 

 

Einleitung
 
Alchimie - verrufenes Wort, und doch umwoben von geheimnisvollem Schimmer, nichtssagend für die einen, ein leerer Klang, oder mit überlegenem Lächeln abgetan, weckt es anderen im Geiste die Vorstellung versteckter Gewölbe, wo im aufzuckenden Feuerschein seltsamer Öfen dunkle Gestalten mit absonderlichem Gerät hantieren, wo Adepten im Schein des kümmerlichen Öllämpchens über schwere Folianten brütend die mystisch verschleierten Anweisungen suchen für ihr heimliches Tun, für die Lösung des Welträtsels, für die Ergründung des großen Geheimnisses vom Leben.
   Längst schon glaubte man sie verschwunden, die Alchimie, jene Kunst, die sich als Wissenschaft gebärdete, die den Menschen alle so heißbegehrten Schätze irdischer Glückseligkeit gewähren wollte, ein langes Leben in steter Jugendfrische und unerschütterlicher Gesundheit, unerschöpflichen Reichtum mit Ansehen und Macht, und den sanften, unmerklichen Übergang in das andere Dasein.
   Das Zeitalter der Aufklärung hatte sie von der Weltbühne verdrängt, von der Wissenschaft verachtet, verbannte man sie in die Rumpelkammer der Menschheit, dorthin, wo sich in buntem Durcheinander alle die überwundenen Torheiten häufen, Gespensterspuk und Dämonenglaube, Hexenwahn und Teufelskult.
   Was ist Alchimie, was sind Alchimisten ?
   Sucht man die Beantwortung dieser Frage in einem Lexikon, das als Niederschlag derzeitigen Wissens gelten kann, wo wird man dem Sinne nach kurz das folgende finden: Alchimisten waren Leute, deren Bestreben darauf gerichtet war, den Stein der Weisen zu erzeugen. Diese geheimnisvolle Substanz sollte die Eigenschaft haben, die sogenannten unedlen Metalle in edle, das heißt Gold und Silber zu verwandeln, indem davon eine kleine Menge auf ein in Fluß stehendes geringes Metall geworfen wurde. Weiter wurde dieser Substanz die Fähigkeit zugeschrieben, eine Universalpanazee für die menschlichen Krankheiten zu sein, auf den Organismus heilend, stärkend und verjüngend einzuwirken. In der Hauptsache bedeutet Alchimie die Kunst der Metallverwandlung, doch ist den Alchimisten eine derartige Umwandlung niemals gelungen. Die Alchimie ist ebenso, wie ihr Stein der Weisen gleichbedeutend mit Aberglaube, Unwissenheit und Betrug.
   Es ist ein vernichtendes Urteil, das damit von berufener Seite über die Alchimie gefällt wird, und es ist maßgebend für die Allgemeinheit.
   Und doch ist es ein Fehlurteil, das auf Oberflächlichkeit und Unkenntnis beruht. Einmal sind Beweise für gelungene Metallumwandlungen auf Grund geschichtlicher Berichte und einwandfreier Zeugnisse genügend vorhanden. Sie ableugnen, hieße alle beglaubigten geschichtlichen Geschehnisse ableugnen, weil Augenzeugen dafür nicht mehr am Leben sind. Zum anderen aber ist das, was damit verurteilt wird, das, was von der Öffentlichkeit verschwinden mußte, nicht die eigentliche, die wahre Alchimie, sondern deren Zerrbild, eine Afteralchimie, die sich den Namen Alchimie anmaßte und unter ihm ihr Unwesen trieb.
   Für diese falsche Alchimie gibt es nur ein Ziel, die Metallumwandlung, sie führt weiter ein heimliches Dasein in den Versuchen von Phantasten, und sie ist es, die von Betrügern zu deren Gaunereien benutzt wird.
   Heute ist man überall wieder eifrig am Werk, das heißersehnte Ziel der Metallumwandlung zu erreichen. Unter Berücksichtigung moderner Theorien, nach denen radioelektrische Phänomene die Ursache für eine spontane Änderung im Aufbau der Atome und damit auch für die Metallumwandlung sind, glaubt man den Weg gefunden zu haben, der zum Ziele führt, hofft man, der Alchimie ihr großes Geheimnis vom Stein der Weisen entreißen zu können.
   Die wahre Alchimie kennt weder Rückschritt noch Fortschritt, stets sich gleichbleibend ist sie, die sie war, die sie sein wird.
   Alchimistische Schriften und damit die Alchimie wurden im Abendland erst zur Zeit des frühen Mittelalters bekannt. Es waren lateinische Übersetzungen griechisch-arabischer Werke, die das große Meisterwerk der Alchimie behandelten, dessen Beschreibung von theosophischen und philosophischen Betrachtungen umrahmt wurde.In diesen Schriften finden sich nun auch Hinweise auf die Möglichkeit der Metallumwandlung mit Hilfe einer Substanz, die durch das große Werk zu erlangen ist.
   Bald entstanden Gerüchte von Umwandlungen geringer Metalle in Gold und Silber, die einzelnen geheimnisvollen Adepten gelungen sein sollten. Solche Gerüchte mehrten sich, sie wurden begierig aufgenommen und weiterverbreitet, und sie wurden der Anlaß, daß sich seuchenartig ein allgemeines Goldfieber ausbreitete, welches das ganze Mittelalter hindurch anhielt, und das auch heute noch nicht völlig zum Erlöschen kam. Durch eifriges Experimentieren mit allen möglichen und unmöglichen Stoffen, auf die scheinbar in den Schriften der Adepten hingewiesen wurde, suchte man hinter das Geheimnis des in Gold verwandelnden Stoffes zu kommen. Bescheidenere hofften durch ihre Arbeiten wenigstens ein sogenanntes Partikular auffinden zu können, das nur für einige Metalle diese wertvolle Eigenschaft aufweisen sollte, oder ein wirksames Elixier gegen Krankheiten zu entdecken, da nach den Angaben der Adepten das metallumwandelnde Elixier zugleich ein unübertreffliches Heilmittel sein sollte. Viele der Großen des Reiches, durch Kriege, Prunkliebe und andere kostspielige Gewohnheiten gezwungen, nach immer neuen und ergiebigen Einnahmequellen Ausschau zu halten, widmeten sich mit Eifer dieser vielversprechenden Kunst. Ihnen nach tat es das Volk, Edelmann, Bürger und Bauer, von denen viele durch die kostspieligen Versuche verarmten und auch völlig an den Bettelstab gebracht wurden.
   Auch in der damaligen Zeit gab es unternehmende Leute, spekulative Köpfe mit elastischem Gewissen, die es verstanden, "die Konjunktur auszunutzen". Sie gaben sich den Anschein erfahrener Alchimisten, und wußten durch geheimnisvolles Gebaren, durch phantasiereiche Erzählungen mit allerlei mystisch scheinendem Unsinn Aberglaube, Unkenntnis und Goldgier ihrer Zeitgenossen auszubeuten. Anfangs waren sie vereinzelt, bald aber tauchten überall derartige "Alchimisten" auf. Sie verkauften unfehlbare Rezepte für die golderzeugende Tinktur, die sie auf die sonderbarste und geheimnisvollste Weise erlangt haben wollten, die selbst auszuarbeiten sie aus allen möglichen Gründen verhindert waren, oder deren Wert die Geschickteren von ihnen wohl auch mit Hilfe von Taschenspielerkünsten erwiesen. Andere ließen sich von größeren und kleineren Herren in Sold nehmen, wobei sie es meisterhaft verstanden, ein angenehmes Leben zu führen, einen nicht zu geringen Teil des angeblich zu ihren Arbeiten nötigen Goldes und Silbers in ihre Tasche fließen zu lassen, und die nach Erfolg Begierigen durch immer neue und verblüffende Ausreden und Schwindeleien hinzuhalten. Das planlose Experimentieren nannte man ebenso, wie die betrügerischen Manipulationen fälschlicherweise Alchimie, die Betrüger hießen Alchimisten, ihre Gehilfen Laboranten, und der unberechtigten Benennung ist es zu danken, daß man noch heute unter Alchimie jene angebliche Goldmacherkunst versteht, der das Odium der Gaukelei und des Betruges anhaftet.
   Wohl wehrten sich die wahren Eingeweihten in die hohe Kunst der Alchimie, die Adepten, gegen solchen Mißbrauch des Namens Alchimie (Adept, vom lateinischen adipisci, ist einer, der das höchste Ziel der Alchimie erreichte). So schrieb Alexander von Suchten: "Derowegen sind wir nicht Goldmacher, sondern Arzt, so wir Alchymiam brauchen, den armen Krancken umb der Barmherzigkeit willen, damit zu dienen von GOTT verordnet, daß wir deren große Noth betrachten, und und angelegen seyn lassen. Daß die göttliche Kunst der Alchymey von bösen Buben, deren jetzt die Welt voll ist, Betrug und Arglistigkeit wegen, damit sie hoch und niedriges standes Personen ansetzen, in großen Verachtung gerathen ist, als were diese GOTTES Gab allein Triegerei, was gehet das uns an ? Es ist uns leid, daß man das mißbraucht, was uns zur Wiederbringung und Erhaltung des Menschen Gesundheit von GOTT geoffenbahret worden."
   Die Erfindung der Buchdruckerkunst ermöglichte es, Werke über die Alchimie, die vordern als Handschriften sehr kostbar waren, verhältnismäßig wohlfeil und in größeren Mengen zu verbreiten. Die Werke fanden überall sehr guten Absatz, und so entstand bald eine umfangreiche alchimistische Literatur, die hauptsächlich den Kern der Alchimie, das große Werk, zum Inhalt hatte.
   Das eingehende Studium dieser Werke, soweit sie noch vorhanden  sind, läßt erkennen, daß ihre Verfasser zum großen Teil Eingeweihte gewesen sind, und daß vom sechszehnten bis achtzehnten Jahrhundert eine beträchtliche Anzahl solcher Kenner gelebt haben muß.
   Während aber die frühen alchimistischen Schriften bei allen gebotenen Umschreibungen in ihrer Ausdrucksweise verhältnismäßig einfach sind, werden die späteren immer verworrener und schwerverständlicher; obwohl auch bei diesen vielfach ein wahrer Kern erkennbar ist. Man kann wohl nicht mit Unrecht daraus schließen, daß diese Schreibweise eine absichtliche war, ebenso wie auch die zunehmende Menge solcher Schriften nicht allein in dem guten Absatz ihre Erklärung findet. Auffallend ist weiter, daß in allen den einschlägigen Schriften die Metallverwandlung als das Wesentliche erscheint, und dies sollte wohl auf eine falsche Fährte führen, während das andere die Menge vom vergeblichen Experimentieren abschrecken sollte, um dem Mißbrauch der Alchimie und ihres Namens eine Ende zu machen.
 
 
 
Alchimie und hermetische Philosophie
 
Auf der Grundlage uralter Erkenntnis, die sich im Orient als hermetische oder okkulte Wissenschaft erhalten hatte, entwickelte sich die Alchimie zu einem besonderen Zweig. Sie kann die Technik dieser Erkenntnis genannt werden, sie ist die praktische Anwendung der Lehren dieses philosophischen Systems als Heilkunst für Geist, Seele und Körper des Menschen. Mit ihren Zweigen Astrologie und Magie ist die Alchimie die hohe, die königliche Kunst, in derem Gefolge sich zu allen Zeiten die Geistesgrößen der Menschheit finden.
   Über die Herkunft und Bedeutung des Namens Alchimie gehen die Meinungen auseinander. Einige halten ihn für eine Ableitung vom griechischen cheo, ich gieße, mit dem arabischen Artikel al in der Bedeutung der Gießkunst. Andere wieder glauben in dem Namen eine Verwandtschaft mit der hebräischen Wurzel Khams, Idee der Wärme, zu finden, die identisch mit dem Kam des Sanskrit und mit dem griechischen kamno ist. Glauber erklärt den Namen in seiner Abhandlung: De natura salium als aus Hal-chimia entstanden, Salzkochung, und diese Erklärung wird von vielen Alchimisten angenommen als ein Hinweis auf das große Werk. Die beste Erklärung ist wohl die von Plutarch angegebene, daß der Name Alchimie aus al-Kemia, al-Chemie entstanden ist, ein arabisches Wort mit seinem Artikel, das schwarze Erde bedeutet, der Name des alten Ägypten, im übertragenen Sinne die geheime Wissenschaft der ägyptischen Weisen.
   Paracelsus gebrauchte zuerst für Alchimie den Namen Spagyrik. In seinem Paramirum I, 3 findet sich die Angabe: "Disce ergo Alchimiam quae alias Spagyrica dicitur." 1)
 
Die geheime Bedeutung der Zahlen und Buchstaben
 
    In den Schriften der Adepten wird bei der Beschreibung des großen Werkes öfter auf die verborgene Bedeutung der Zahlen und Buchstaben Bezug genommen. Diese Buchstaben- und Zahlensymbolik wird in der Gematria der Kabbala behandelt, sie ist in der islamitischen Esoterik als Djebr zu finden, auch in der indischen Geheimlehre und im chinesischen Tschen-pey enthalten.
   Die zweiundzwanzig Buchstaben des hebräischen Alphabets heißen die zweiundzwanzig großen Arkanen, sie sind der Schlüssel zur geheimen Weisheit, die Quelle des Lichts oder das Licht des Lebens, Al-pha-vita oder Al-eph-beth.
   Von den zehn ersten Zahlen, die alles enthalten, bedeutet eins den Anfang alles Seins, die vom Schöpfer ausgehende Schöpfungsidee, das schöpferische Prinzip, die aktive, positive, männliche Kraft. Es ist dieselbe Einheit, aus der die Zahl zwei entsteht, dieselbe, die ebenso in der Triade, wie in der Dekade enthalten ist, denn zehn ist nicht nur die Summe der zehn Einheiten, sondern auch die Einheit dieser Summe.
   Zwei bedeutet die Linie, das feste, negative, weibliche, empfangende Prinzip.
   Drei ist als Zahl des Dreiecks die Fläche, die Essenz aller physischen Dinge, sie ist die vollkommene Zahl als erste ungerade, denn sie hat Anfang, Mitte und Ende, das Abbild des Alls. Sie ist die feste Zahl, denn alle materiellen Dinge sind durch sie begrenzt, sind dreidimensional. Als Produkt von 1 + 2 bedeutet sie die ausführende schöpferische Tätigkeit.
   Vier galt als heilige Zahl, mit ihr endet die Progression der ersten Zahlen, deren Summe die vollkommene Dekade ergibt. Vier schließt alle Kräfte der erzeugenden und erzeugten Zahlen in sich ein, sie wurde als einzige Zahl der Dekade von einer Zahl gezeugt, und zeugt selbst eine andere. Vier ist als 2 x 2 oder 2 + 2 die Vollendung in der materiellen Welt, des kosmischen Aufbaues. In der Gleichung 3 + 1, bei der die molekulare Bildung Aktivität und Fortschritt anzeigt, gilt sie nach Pythagoras als Symbol der Göttlichkeit.
   Fünf ist als Summe der ersten Geraden und der ersten Ungeraden der Dekade das Abbild des Naturkörpers, und gibt den Dingen die äußere, wahrnehmbare Form, Eigenschaft und Farbe. Alle materiellen Wesenheiten bestehen aus vier Elementen und einem fünften Wesen, der Quintessenz, Aura oder Äther.
   Für die hermetische Auffassung ist die Zahl nicht eine Ziffer, deren Bedeutung sich immer gleich bleibt, sondern deren Eigenschaften, deren Wertigkeiten oder Valenzen nach der Chemie, sich ändern je nach ihrer Struktur. So enthält die Fünf zwei Aufbaumöglichkeiten, 2 + 3 und 4 + 1, von denen die erste passiven Widerstand, Leblosigkeit anzeigt, Hemmung der Evolution, die zweite dagegen die Bereitschaft des Quaternär, die Impulsion einer neuen Einheit aufzunehmen. Hier ist es die vollendete Materie, 4 als 3 + 1, die zur Fruchtbarkeit fähig wird, zur Entwicklung der Sinne, und daher ist fünf  das Symbol für die Sinnesempfindungen, für die empfindende Seele.
   Sechs ist die Zahl des lebenden menschlichen Körpers, sie fügt zu den fünf Elementareigenschaften die menschliche Seele mit deren höheren Funktionen hinzu.
   Sechs enthält vier isomorphe Formen, 1 + 5, 2 + 4, 3 + 3, 2 x 3. Von diesen Formen zeigen die erste, dritte und vierte das Vorherrschen des ungeraden, aktiven Elements, bereit, die Einwirkung einer neuen Einheit anzunehmen. Die zweite Form zeigt eine sterile Sechs, die sich der Einwirkung der neuen Einheit widersetzt.
   Sieben gilt als Ausdruck für die Gesundheit, für das Lichte, für die Vernunft, sie ist die jungfräuliche Zahl, denn sie wurde von keiner Zahl der Dekade gezeugt, und zeugt auch keine andere. Sieben ist die Zahl des großen Werkes der Alchimie, wie auch der Weltschöpfung, denn in der Zahl der sieben Tage ist die ganze Schöpfung eingeschlossen. Doch sind auch die Eigenschaften der Sieben verschieden je nach ihrer Struktur, denn sie enthält drei Gleichungen, 1 + 6, 2 + 5, 3 + 4, von denen nur die erste einen Fortschritt anzeigt. 1 + 6 ist das Gleichgewicht, das von der hinzutretenden Einheit von neuem Bewegung und Leben erhält, 3 + 4 dagegen ist die Involution der unbereiteten Materie, und 2 + 5 ist die rückwärtsführende Empfindung, die Sinnlichkeit.
   Acht ist die kubische Zahl und deshalb das Abbild der Erde. Sie enthält fünf Gleichungen, 1 + 7,   2 + 6, 3 + 5, 4 + 4, 23, von denen die erste, 1 + 7, die fortschrittliche ist. Diese zeigt ein unbeständiges, schnellen Änderungen geneigtes Gleichgewicht als die Grundlage des materiellen Lebens, günstig für die Einwirkung einer neuen, höheren aktiven Kraft. sie deutet auf den sich vorbereitenden geistigen Fortschritt, sie ist das Gefäß, die Gebärmutter, in der sich der Keim des neuen Menschen entwickeln wird. 2 + 6 zeigt das im Materiellen harmonische Gleichgewicht, 3 + 5 ist ein unbeständiges Gleichgewicht, die Entwicklung der Empfindungen nach unten, nach der niederen Sinnlichkeit. 4 + 4 ist Stillstand, und 23 ist das für eine aufwärtsführende Verwirklichung völlig unfähige Gleichgewicht.
   Wenn Acht das Gefäß ist, in dem sich der Embryo des neuen, geistig höheren Menschen entwickelt, so ist neun die Entwicklung selbst, die Schwangerschaft, wie auch der physische Mensch innerhalb von neun Monaten entsteht.
   Neun enthält fünf Gleichungen, 1 + 8, 2 + 7, 3 + 6, 4 + 5, 32, von denen allein 1 + 8 die Entwicklungsfähigkeit anzeigt. Bei dieser Gleichung belebt die neue, aktive Einheit den Keim und führt ihn zur Reife bis zur Geburt. 2 + 7 ist die im Materiellen befangene Intelligenz, die Wissenschaft, 3 + 6 zeigt das Ästhetische im Materiellen an, 4 + 5 ist das Vorherrschen der niederen Sinnlichkeit, und 32 bedeutet wohl einen Fortschritt des geistigen Menschen, es ist aber ein Fortschritt im Irrtum.
   Zehn ist eine gerade Zahl, aber ungerade, aktiv in ihrer Wurzel 9 + 1. Hier wirkt die neue Einheit, und so ist Zehn die zweite, geistige Geburt des Menschen als eines "Zweimalgeborenen", mit der er ein neues, geistig höheres Leben beginnt, ohne die Art und Weise seiner gegenwärtigen Existenz zu ändern.
   Zehn enthält die Natur aller Dinge, das Gerade und das Ungerade, das Bewegliche und das Feste, das Gute und das Böse. Zehn ist die Zahl de Attribute Gottes, der Sephirot nach der Kabbala, als der Entwicklung der ersten drei Prinzipien in allen ihren Eigenschaften. Zehn Namen des Höchsten nennt die Kabbala, deren erste Dreiheit der Geist Gottes ist, Cochmah, Kether und Binah.
   Im Sepher Jezirah der Kabbala heißt es mit Hinweis auf die Weltschöpfung und auf das große Werk der Alchimie:
   "Schließe deine Lippen, halte ein mit Nachdenken, und wenn dein Herz schwach wird, so kehre zum Anfang zurück. Darum steht es geschrieben: Weggehen und Wiederkommen, deswegen der Bund gemacht wurde: zehn Sephirot außer der Unaussprechlichen.
   Die erste Sephirot, eins, ist der Geist des lebendigen Gottes, sie ist der gesegnete und abermals gesegnete Name des ewig lebendigen Gottes, Stimme, Geist und Wort ist der heilige Geist.
   Zwei ist der Hauch des Geistes, mit ihm sind eingeprägt und eingegraben die zweiundzwanzig Buchstaben, die drei Mütter, die sieben doppelten und die zwölf einfachen, und in jedem von ihnen ist Geist.
   Drei ist das Wasser, das aus dem Hauche entsteht, mit ihm grub Er ein und prägte die erste leere, unbelebte Materie, Tohu, die Linie, die um die Welt gezogen ist, und Bohu, die verborgenen Steine, vergraben in der Tiefe, von wo die Wasser ausgehen.
   Vier ist  das Feuer, das aus dem Wasser kommt, mit ihm schuf Er den Ehrenthron, die himmlischen Räder, die Ophanim, die Seraphim, die heiligen Tiere und die dienenden Engel, aus ihrer Oberherrschaft machte Er seine Wohnung, wie der Text sagt: Er ist es, der seine Engel machte und sine dienenden Geister durch Bewegen des Feuers", usw.
   Jeder der zweiundzwanzig Buchstaben des hebräischen Alphabets hat seine besondere esoterische Bedeutung, seinen Zahlenwert, und stellt für den Wissenden eine geheime Kraft dar. Auch der esoterische Islam kennt die geheime Bedeutung der Buchstaben, weiß von der in ihnen verborgenen Macht, von ihrer Beziehung zum großen Werk.
   Seyidi Mohy-iddin erwähnt in seinem El-Futu-hattul-Mekkiyah die esoterische Bedeutung der achtundzwanzig Buchstaben des arabischen Alphabets, er vergleicht das Weltall mit einem Buch, in dem jeder der Buchstaben eine göttliche Idee darstellt und zugleich eine Zahl. Es ist das gleiche Buch, wie das Liber mundi der Rosenkreuzer, oder das Buch des Lebens in der Offenbarung Johannis, es ist verwandt mit dem Lebensbaum, mit dem Baum der Erkenntnis im Paradies, und mit der germanischen Weltesche Ygdrasill.
   Bei der Analogie zwischen dem Makrokosmos, arabisch el-Kawnul-Kebir, und dem Mikrokosmos, el-Kawnul-seghir, entspricht jeder der achtundzwanzig Buchstaben einen bestimmten Teil des Organismus. Diese Entsprechungen ermöglichen es, die geheime Wissenschaft von den in den Buchstaben verborgenen Kräften therapeutisch anzuwenden.
   Den drei Daseinsebenen oder Welten entsprechend ist die geheime Wissenschaft von den Buchstaben eine dreifache. Im höchsten Sinne ist sie die Erkenntnis der Ur-Prinzipien, im mittleren Sinne ist sie die Kenntnis der Kosmogenie, das Wissen vom Entstehen der wahrnehmbaren Welt, und im unteren Sinne ist sie die Kenntnis der Eigenschaften der aus Buchstaben gebildeten Wörter und Namen, sowie der Zahlen. In den  Buchstaben eines Namens verrät sich die Natur jedes geschaffenen Wesens, daher vermag die Kenntnis eines Namens über das betreffende Wesen eine gewisse Macht zu verleihen. Die Anwendung der arabischen Geheimwissenschaft von den Buchstaben ist der untere Grad dieser esoterischen Kenntnis. Der höchste Grad, der nur von wenigen erklommen wird, verleiht die Macht, auf allen drei Daseinsebenen wirken zu können. Wer diese Erkenntnistiefe erreichte, der kennt das große Magisterium, das Meisterwerk der Alchimie, den Stein der Weisen oder den "roten Schwefel der Weisen", arabisch el-Kebritul-ahmar, denn die Wissenschaft von der geheimen Kraft der Buchstaben und vom großen Werk ist die gleiche. Seyidi Mohy-iddin erhielt deshalb als Adept den Beinamen Es-Sheikul-akbar wa el-Kebritul-ahmar.
   Die Geheimwissenschaft von den Buchstaben ist dem Devanagari oder Sanskrit ebenfalls bekannt. Nach dieser tantrischen Geheimlehre ist jeder Buchstabe eine individuelle astrale Macht, die ihn befähigt, an der Formung der Materie teilzunehmen, und diese im gesprochenen Wort wirkende Kraft  heißt Mantra. Jeder Buchstabe, varna 1), des Sanskritalphabets, der durch die Vereinigung mit anderen Buchstaben einen Mantra bildet, ist eine Offenbarung der übersinnlichen Ebene. Auch nach tantrischer Lehre wird der menschliche Organismus durch den Mantra stark beeinflußt, denn jedes Organ hat eine besondere Grundschwingung, eine Farbtönung, die derjenigen eines bestimmten Buchstaben entspricht. Die anderen Buchstaben eines Mantra bilden Nebenschwingungen gleich der
Dominante und den Nebentönen eines Akkords. In der Zeremonie des Kushandika homa vermag der dabei gesprochene Mantra Feuer anzuzünden ohne  irgend welche physischen Mittel.
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1) varna heißt ebenso die Farbe.
 
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   Die hermetische Philosophie, die Überlieferung dessen, was als das Verborgenste nur durch Intuition meditativ zu erfahren ist, umschließt eine Theosophie, das Wissen über Gott, eine Mystik, das Wissen über das Geistige, und eine Metaphysik, das Wissen über das sinnlich Nicht-Wahr- nehmbare in der Natur; Gott, Geist, Seele und Stoff umfaßt das weite Gebiet der Erkenntnis.
   Dieser Philosophie entsprechend ist das Arbeitsgebiet der Alchimie ein dreifaches. Es ist Theologie, wenn sie die unermeßliche Größe des Schöpfers erkennen lehrt, es ist geistig, wenn sie von der Selbsterkenntnis ausgehend zur psychischen Läuterung führt, die Herrschaft des Körpers, der sinnlichen Triebe durch diejenige der geistigen Prinzipien ersetzt, es ist materiell, wenn sie den von  der Natur eingeschlagenen Wegen folgend es  unternimmt, den armen und leidenden Mitmenschen zu helfen.
   Alchimie ist die Wissenschaft vom Leben, und als solche ist sie Heilkunst.
 

 

Die Alchimie als Heilkunst in der Geschichte
 
   Die Alchimie ist als Heilkunst auf hermetischer Erkenntnis aufgebaut, und ruht durch alle Zeiten auf diesem festen und sicheren Fundament, unabhängig von den jeweiligen medizinischen Tagesmeinungen.
   Ihre Geschichte reicht bis in das entfernteste Altertum, in dem sie allmählich als geheime Wissenschaft erkennbar wird, nur dem besonders Begabten und Erwählten zugängig, gepflegt von Priestern und Initiierten. Noch viel später wird sie in griechischen Manuskripten eine epiVthmh iera genannt, eine geheime Wissenschaft, die von den Priestern Ägyptens ausgehend sich auf die Kulturvölker des Morgenlandes ausbreitete, nach China, Indien, Griechenland.
   Um das Jahr 200 n. Chr. ließ Diokletian alle erreichbaren, von den ägyptischen Eingeweihten stammenden Werke übe die alchimistische Heilkunst verbrennen, so daß nur wenige Bruchstücke dieser Kenntnisse, soweit sie überhaupt schriftlich niedergelegt wurden, erhalten geblieben  sind. Clement von Alexandrien erwähnt noch 42 Bücher, die von Hermes herrühren, von denen die letzten den Körper des Menschen, seine Konstitution, seine Krankheiten, deren Heilmittel und ähnliches behandeln. Galenus erwähnt das elfte Buch eines umfangreichen ägyptischen Werkes über die Heilkunst, das der Pharao Nechepsos, 667 - 661 v. Chr., schreiben ließ.
   Für das Abendland übernahmen die Griechen dasjenige, was von der hermetischen Wissenschaft der Ägypter und ihrer Heilkunst vorhanden war.
   Der berühmteste Heiler des alten Griechenland war Hippokrates, dessen Lehren diejenigen der Alchimie sind, doch lehnt er den übertriebenen Gebrauch der Medikamente ab, und weist auf die Selbstheilkraft des Organismus. Er lehrte, daß der menschliche Organismus durch vier Flüssigkeiten sein Gepräge erhält, Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle, zu denen ein sie alle durchdringender Geist, Enormon, tritt. Man nannte ihn deshalb fälschlich den Begründer der Humoralpathologie. Hippokrates wurde um das Jahr 460 zu Cos geboren und starb 370.
   Nach ihm ist Athenaeos zu nennen, der Begründer der sogenannten pneumatischen Schule. Auch er fußte auf der hermetischen Lehre, indem er annahm, daß im menschlichen Organismus vier Elementareigenschaften vorhanden sind, warm, kalt, feucht und trocken, und als das Fünfte ein Geist, der die anderen vier durchdringt, Pneuma, eine doppeltpolarisierte Emanation des Weltäthers.
   Die hermetische Erkenntnis ist die Wissenschaft vom Weltall, und ein Schlüssel zu ihrem Verständnis liegt in der Lehre von den Zahlen. Die Zahlenlehre wurde von den Griechen übernommen und durch Pythagoras und seine Schule zu hoher Vollendung geführt. Hier finden wir die noch heute bekannten Namen eines Philolaos, Architas, Sokrates, Plato und anderer.
   Die ägyptischen Kenntnisse wurden der griechischen Heilkunst hauptsächlich durch die alexandrinische Schule vermittelt, die im dritten Jahrhundert gegründet wurde. Obwohl die Griechen die Idee des Universalelixiers übernahmen, blieb dessen Kenntnis auf wenige beschränkt. Ebenso wurden von ihnen die psychischen Heilweisen der Ägypter, Magnetismus, Suggestion und Hypnose, wie auch die Wissenschaft von der Kraft der Buchstaben vernachlässigt. diese Zweige des hermetischen Wissens fanden bei den Indern und später bei den Arabern Beachtung. Über das große Meisterwerk der Alchimie hinterließ Dioscorides ein Werk unter dem Titel Ouroboros, und das Universalelixier erwähnte Ostanes, genannt der Magier.
   Die griechische Heilkunst ging dann auf die Römer über, deren bekanntester Heiler Galenus war. In Pergamon geboren, wurde er Schüler der Alexandriner, und legte die Lehren des Hippokrates in Lehrsätzen fest, dabei aber vieles Wesentliche willkürlich ändernd.
   Zu hoher Blüte gelangte die Heilkunst der Alchimie durch die Araber. Sie erhielten sie wohl zum Teil durch die Griechen Alexandriens, doch von größerer Bedeutung war wohl für sie die mündliche Überlieferung durch direkte Berührung mit den Ägyptern.
   Gegen Ende des sechsten Jahrhunderts lebte zu Alexandrien der Philosoph Adfar, dessen Ruf als Heiler und Alchimist einen jungen Römer, Morienus, veranlaßte, seine Heimat zu verlassen, nach Alexandrien zu ziehen und dort Schüler des Adfar zu werden. Morienus war dann Lehrer des Calid, eines Statthalters von Ägypten, von dem Ibn-Kallikan berichtet, daß er in Alchimie und Medizin hervorragende Kenntnisse besessen hätte. Calid lebte 668-704, von ihm sind mehrere Werke erhalten: "Das Paradies der Weisheit", "Das Geheimnis der Geheimnisse" und "Gespräche mit Morienus".
   Als der Kalif Monovia seine Residenz nach Syrien verlegte, entstanden in Bagdad und Damaskus Schulen, die jene von Alexandrien überflügelten. Sie gelangten im neunten und zehnten Jahrhundert zur Zeit der Abessiden, besonders Harun-al-Raschids, zur höchsten Blüte.
   Von 669-765 lebte Djafar-es-Sadik, der als Lehrer des Geber zu erwähnen ist. Geber starb 776, sein Werk "Kitab-el-Khalis", das in lateinischer Übersetzung unter dem Titel: "Summa Perfectionis" bekannt und sehr geschätzt wurde, enthält Gedanken über die Metallumwandlungsmöglichkeit. Schüler des Geber waren El Karquy, Ebn Aiadh und Ikhmimy.
   In der zweiten Hälfte des neunten Jahrhunderts wurde Mohammed ben Zacharia mit dem Beinamen Rhasis geboren, der verschiedene Werke hinterließ, als hauptsächliches "Über die Gewißheit der Alchimie". Zur gleichen Zeit lebte in Bagdad ein anderer berühmter Alchimist, Alfarabi. Als Nachfolger des Rhasis ist Abu Ali El-Hussein ben Abdallah ben El-Hussein ben Ali el Cheikh el Beis Ibn sina, kurz genannt Avicenna, zu erwähnen.
   Durch die arabischen Mauren wurde die hermetische Tradition nach Spanien gebracht. Hier entstanden dann später die lateinischen Übersetzungen arabischer Werke über die Alchimie, die dem Abendland die ägyptischen Kenntnisse, allerdings verändert auf ihrem Weg über Griechen und Araber, vermittelten.
   Von den maurischen Alchimisten sind die bekanntesten Abulkasis, Averrhoes, Picatrix und Avenzoar. Dieser letztere, Abu Mervan Abd el Malik Ibn Zohr, lebte in Sevilla und war Lehrer eines anderen berühmten Hermetikers, des Maymonides. Eine maurische Medizinschule bestand in Cordoba.
   Wie die Araber in Spanien Übermittler der hermetischen Erkenntnisse waren, so auch in Byzanz, das später durch Kaiser Konstantin den Namen Konstantinopel erhielt. Hier wirkten Aktuarius und Psellus in den Jahren 1020-1110. Von Byzanz brachten dann römische Mönche die medizinischen Lehren nach Italien, wo 1150 die Medizinschulen von Salerno und vom Monte Cassino gegründet wurden. Als Lehrer an diesen Schulen sind erwähnenswert Gerbert und Rosinus, der eine Abhandlung über den Stein der Weisen hinterließ.
   In Deutschland lebte Ende des zwölften Jahrhunderts der Dominikaner Albertus Magnus (1193 bis 1280), von dem verschiedene, teilweise jedoch untergeschobene Werke in der alchimistischen Literatur vorhanden sind. Sein Schüler war Thomas von Aquino, dessen Name als Verfasser alchimistischer Schriften ebenfalls öfter mißbraucht wurde. Berühmte Alchimisten des dreizehnten Jahrhunderts waren Roger Baco, 1214 in England geboren und 1294 in Oxford gestorben, der ein "Opus Major" hinterließ; Arnald Bachuone, genannt Arnald von Villanova nach seinem Geburtsort (1235 bis 1312) und Pietro de Abano, von dem das Werk "Conciliator Differentiarum" herrührt.
   Die Werke Arnalds von Villanova bestehen aus einer ganzen Anzahl medizinisch-alchimistischer Schriften, von denen "Thesaurus Thesaurorum" und "Rosarium Philosophorum" die wichtigsten sind. Von ihm schrieb Johannes Andreas, ein berühmter Rechtsgelehrter seiner Zeit in den Zusätzen zum Speculum Juris des Durandus, Paris 1522: "Zu unserer Zeit sah man den Meister Arnald de Villanova am Hofe zu Rom, ein großer Theologe und Arzt, der auch ein tüchtiger Alchimist war und Goldstangen erzeugte, die man jeder Prüfung unterwerfen konnte." Auch Raimundus Lullius erwähnt in seinem Lapidarium, daß Arnald in seiner Gegenwart Blei in vortreffliches Gold verwandelt habe.
   Um das Jahr 1400 lebte Bernard de Treves, der öfter mit einem anderen bekannten Alchimisten, Bernard, Comte De La Marche Trevisane verwwechselt wird. Dieser letztere, geb. 1406 zu Padua, gest. 1490, schrieb eine sehr gute Abhandlung über den Stein der Weisen unter dem Namen "Das verlorene Wort".
   1462-1494 lebte Giovanni Pico von Mirandula, ein namhafter Hermetiker, der als erster die Kabbala durch Übersetzung zugängig machte. Sein Zeitgenosse war in Deutschland der berühmte Trithemus, Abt von Sponheim, 1462-1516.
   Nun folgen die drei bekanntesten Alchimisten des Mittelalters, Basilius Valentinus, Agrippa von Nettesheim und Paracelsus.
   Basilius Valentinus soll um 1400 geboren worden sein, und war angeblich Benediktinermönch in Erfurt. Wahrscheinlich ist aber dieser Name ein Deckname, unter dem ein unbekannter Alchimist seine in den damaligen Zeiten großes Aufsehen erregenden Schriften herausgab. Sicher war er ein hervorragender Alchimist und wohl auch Adept. Er empfiehlt in seinem "Currus Triumphalis Antimonii" das Antimon als Heilstoff von vielseitiger Wirksamkeit, und äußert sich in seinen "Elf Schlüsseln" über dessen verschiedenerlei Präparationen, wobei er in versteckter Weise die Materie zum großen Werk und deren Bereitung durchblicken läßt.
   Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim wurde 1466 zu Köln geboren und war Schüler des Johannes Trithemus von Sponheim. Das Hauptwerk von Agrippa ist die "Philosophia Occulta", das umfassendste und hervorragendste Werk über die hermetische Philosophie und Alchimie.
   Aureolus Philippus Bombastus Theophrastus Paracelsus von Hohenheim wurde 1493 in der Nähe von Zürich geboren, und starb 1541 zu Salzburg. Durch ihn gelangte die Alchimie als Heilkunst zu neuer Blüte, er erweiterte den Heilschatz der Alchimie bedeutend durch Wiederaufnahme der Mineralien in die Therapie und wird deshalb, von der Medizin als einer der ihrigen reklamiert, Schöpfer der chemischen Pharmazie genannt.
   Paracelsus betont ebenfalls ganz im Sinne der alten Weisen, daß die erste Voraussetzung für die Ausübung der Heilkunst die besondere Begabung ist, die Intuition, die nicht durch schulmäßiges Erlernen dersetzt werden kann. so sagt er unter anderem in seiner Chirurgia Magna: "Also hat die Erden den Menschen aus angebohrnen Liebe in ihren Gewächs zubrauchen sein Geschicklichkeit vom Firmament, und dieselbige dem Menschen zunutz. Also ist der Arzt geschaffen, daß err bebohren wird, so werden ihm Künste genug, und findet alle tage was noth ist, also ist der Vorsprung eines Artztes."
   Über die Alchimie äußert er sich in den Fragmenta Medica: "Viel haben sich in der Alchimey geeußert, sagen es mach Silber und Gold, so ist doch solches hie nit das fürnemmen, sondern allein die bereitung zu tractieren, was tugend und krafft in der Artzney sey." Im Paragranum Tract. III heißt es: "Die Natur gibt nichts an Tag, das auff sein stadt vollendet sey, sondern der Mensch muß es vollenden: diese Vollendung heißt Alchymia. Dann ein Alchimist ist der Beck in dem, so er Brodt backt, der Rebmann in dem, so er Wein macht, der Weber in dem, so er Tuch macht. Was macht die Byrnen zeitig, was bringt die Trauben? nichts als die natürliche Alchimey. Also lehrne, was Alchymia sey, zu erkennen, daß sie allein das ist, das da bereit durch das Fewer das das unrein und zum reinen macht. Nicht als die sagen, Alchymia mache Gold und Silber. Hie ist das fürnemmen, mach Arcana und richt dieselben gegen die Kranckheiten."
   Über die große Universalpanazee sagt er im Schlußkapitel seiner Schrift: "De Tinctura Physica": "Das ist die Tinctur, dadurch etliche von den ersten Physicis in Egypten, wie dann auch  noch auff diese Zeit 150 Jahr gelebet. Vieler vita hat sich auff etliche saecula erstrecket, wie die Historien öffentlich ausweisen und doch sonst niemandem glaubwürdig gedaucht: dann ihre Krafft ist so wunderbarlich, daß sie den Leib höher, weder die angebohrne Complexion erzeiget, bringet und in demselbigen Grad standhafftig erhält, daß er vor allen Kranckheiten frey bewahret, und ob er mit Alter behafftet, scheinet er gleichsam seiner vorigen Jugendt zugestellet.". "Also Tinctura Physicorum ist ein Universal, welches verzehret alle Kranckheiten gleich einem Fewer, so die Höltzer verzehret. Sein Dosis ist gar klein, aber seine Würkung mächtig groß."
   In libro X Archidoxorum schrieb er weiter von diesem größten Arkanum: "Also ex lapide Philosophorum, der ist der also das hertz reiniget und alle Hauptglieder, darzu das Gedärme, das Marck und was darmit begriffen wird, und das ist also, daß kein mangel in ihnen erfunden wird von keiner Ungesundtheyt, da weichet Podagra, Hydropisis, Icteritia, Colica, Passio, all ungeschicklichkeyt der vier humores läutert es, als ob sie gleich seyn der ersten Geburt, denn da weichen alle die Dinge, so sich unterstehen die Natur zu verderben, wie die Würme das Fewer fliehen, also fliehet die Kranckheit und Ungesundtheydt diese Ernewerung."
   Es wird Paracelsus vorgeworfen, daß er sich in seinen Angaben über den Stein der Weisen und dessen Metallumwandlungsfähigkeit öfter zu widersprechen scheint. Diese Widersprüche klären sich, wenn man in Betracht zieht, daß er einmal die Afteralchimie und deren vergebliche Versuche meint, das anderermal die wahre Alchimie, für beide aber dieselbe Bezeichnung gebraucht. Wegen seiner Angaben über das große Universalelixier und dessen Wirksamkeit wird Paracelsus für einen Phantasten gehalten, obwohl man ihn sonst hochschätzt. Man konnte das Universal bisher nicht auffinden, und hält daher alle Berichte über dessen Wirkung für unglaubwürdig. Als Beweis gegen das Vorhandensein eines Universals wird angeführt, daß Paracelsus trotz der angeblichen Kenntnis dieses sagenhaften Mittels verhältnismäßig früh verstorben sei. Es ist richtig, daß er bereits mit achtundvierzig Jahren starb, doch ist dies eine der dunklen Stellen in der deutschen Geschichte, er endete gleich anderen großen Deutschen durch Meuchelmord. Crollius und van Helmont gaben an, er sei vergiftet worden, nach Berichten seiner Zeitgenossen ist er durch, von neidischen Ärzten gedungene, Mörder von einem Felsen herabgestürtz worden. Man brachte ihn noch lebend in das Gasthaus zum weißen Roß in Salzburg am Kai, wo er verschied.
   Als Nachfolger des Paracelsus sind zu nennen Oswald Crollius oder Kroll, sein Schüler, der eine geschätzte Abhandlung über die Signaturen und Entsprechungen, sowie ein Werk über die "Königliche Chemie" hinterließ, weiter Martin Ruland, Leibarzt des Pfalzgrafen Ludwig; dessen Sohn, Leibarzt Kaiser Rudolph des Zweiten; Michael Hayeck; Leonhardt Thurneysser in Basel; Ellinger; Joh. Winter von Andernach; Dorn; B. Carrichter; Alexander von Suchten; Michael Toxites; I.P. Rumelius; J. Hester in England; Roch de Baillif in Frankreich, ebenso Mathieu Morin; Joubert; Bernat Pénot und David de Planis Campy, Chirurg Ludwig des Dreizehnten. Der dänische Arzt Petrus Severinus verfaßte eine Schrift über die alchimistische Medizin nach Paracelsus, worin er besonders die Anwendung des Antimons empfahl, über die dann in medizinischen Kreisen ein heftiger Streit entbrannte.
   Um 1600 wirkte Libavius, von dem verschiedene Werke über die Alchimie herausgegeben worden waren; seine gesamten Schriften erschienen unter dem Titel "Opera Medico-Chimica" in Frankfurt a. M. 1606. In Bologna war ungefähr um dieselbe Zeit Fioravanti als spagyrischer Arzt tätig, der vor allem die alchimistisch bereiteten Pflanzentinkturen gebrauchte.
   Zu Beginn des siebzehnten Jahrhunderts wirkte van Helmont, der als anfänglicher heftiger Gegner der Alchimie durch einen unbekannt gebliebenen Adepten zum begeisterten Anhänger bekehrt wurde. Die in seinen Schriften niedergelegten Theorien sind nicht völlig aus hermetischer Erkenntnis geschöpft, doch folgte er in seinen Kuren der paracelsischen Alchimie, und sie gelangen ihm derart, daß er wegen Ausübung von Teufelswerk angeklagt wurde.
   1594-1668 lebte als Alchimist und Heiler Johann Rudolph Glauber, einer der Wegbereiter für die Chemie. Glauber empfahl für die Bereitung der Quintessenzen den Hefezusatz zur Gärung, gebrauchte eine Kalilauge, um mit ihr aus Mineralien, Vegetabilien und Animalien die "Essenz" auszuziehen, fand das "Sal mirabile", das Glaubersalz und war überzeugt, ein Universalheilmittel aus dem Antimon herstellen zu können. Er war ein guter Deutscher und befähigter Chemiker, doch kein Adept.

 
 

Die Rosenkreuzer
 
Als eigentliche Hüter der hermetisch-alchimistischen Überlieferung haben die Rosenkreuzer zu gelten. Der Name Rosenkreuzer ist von dem hermetischen Symbol, einer Rose inmitten eines Kreuzes abgeleitet, er wird zuerst Ende des vierzehnten Jahrhunderts erwähnt, nachdem der Ritterorden der Templer in Frankreich, die im Abendland die geheime Überlieferung pflegten, durch Mord und Brand völlig vernichtet worden war.
   Die Rosenkreuzer waren deutsche Adepten, bei denen eine Beziehung zu geflüchteten Tempelrittern nicht feststeht, aber wohl möglich gewesen ist. Viel ist über diese Rosenkreuzer fabuliert worden, wozu  allerlei mystische Gerüchte, die wahrscheinlich von einer später entstandenen Bruderschaft des Rosenkreuzes ausgesprengt worden waren, das meiste beigetragen haben mögen. Die ersten, wahen Rosenkreuzer gehörten nicht einem Orden oder einer geheimen Gesellschaft an, sondern es waren Adepten, jene, die zur höchsten Kenntnis gelangt waren und sich durch ihre Schriften erkannten, ohne sich jemals im Leben zu begegnen. sie konnten von sich sagen, daß sie unsichtbar seien, was dann aus Unkenntnis zu der Fabel Anlaß gab, daß sie sich hätten unsichtbar machen können. Unsichtbar sein heißt so viel, wie unerkannt unter den Zeitgenossen leben, wie es ebenso die Adepten des fernen Ostens, die Weisen des Tao im "Geheimnis der goldenen Blüte des Höchsten Einen" von sich sagen konnten: "So lebt man unter den Menschen, verborgen und sichtbar, anders, wie sie, und doch wie sie, niemand kann unsere verborgene Weise erkennen und niemand versteht sie."
   Das Symbol des Rosenkreuzes gebrauchten die Adepten als Kennzeichen für die Übereinstimmung der hermetischen mit der christlichen Erkenntnis, es findet sich aber auch in der Esoterik des Islam.
   Die Rose inmitten eines Kreuzes ist der symbolische Ausdruck dessen, was die arabische Esoterik mit dem göttlichen Zustand bezeichnet, die Vereinigung der Gegensätze. Die Rose hat die gleiche Bedeutung, wie der Becher des Tarot, sie stellt ein Gefäß dar, einen Pokal, den Gral oder das Herz, und ihr Platz inmitten der vier Kreuzesbalken bedeutet das geistige Zentrum im Menschen, in seinem aus den vier Prinzipien bestehenden materiellen Körper. Diesen Sinn erweitert bedeutet sie das heilige Land (im Menschen), die heilige Erde, die Erde der Philosophen, den Mittelpunkt der Welt, die Quelle, aus der die geistigen Ströme in die vier Himmelsgegenden fließen. Alchimistisch bedeutet die Rose im Kreuz die Quintessenz, das fünfte Wesen, von dem die vier Elemente ausgehen.
   Das Symbol des Rosenkreuzes drückt aus, daß der alte Mensch auf dem kosmischen Kreuz seines gegenwärtigen Lebens absterben muß, ehe er als ein neuer, reinerer wiedergeboren werden kann. Er muß sich von seinen Leidenschaften abwenden, sich aus den Banden des Egoismus, der Sinnestriebe lösen als dem einzigen Weg zur wahren Erkenntnis.
   In ihren Schriften verbanden die Rosenkreuzer die hermetische Überlieferung mit der christlichen Lehre, sie waren wahrscheinlich auch die Urheber einer Gesellschaft, die später unter dem Namen Fraternitas Rosae + Crucis gegründet wurde.
   Zu dieser Vereinigung sind zu zählen Heinrich Kunrath, der "Philosph von Leipzig", Verfasser des "Amphitheater der ewigen Weisheit", Michael Mayer, Leibarzt Kaiser Rudolph des Zweiten, die Engländer Thomas Vaughan, genannt Philalethes, und als ihr bekanntester Robert Fludd, dessen Hauptwerk "Utriusque Cosmi Majoris scilicet Minoris Metaphysica, Physica atque Technica Historia" betitelt ist.
   Verschiedenen von diesen Brüdern des Rosenkreuzes war das große Meisterwerk der Alchimie bekannt, Robert Fludd und seine Anhänger verwarfen aber alle Medikamente, und betrachteten die Alchimie als psychische Heilweise. Von den Rosenkreuzern wird berichtet, daß sie bald nach dem westphälischen Frieden Europa verlassen hätten, und nach Indien oder Tibet ausgewandert seien.
   Eine später gegründete "Bruderschaft der Gold- und Rosenkreuzer" mit Ordensgraden, Regeln, Abzeichen befaßte sich eingehend mit alchimistischen Studien, ohne jedoch das Magisterium Magnum erlangen zu können. Von ihnen ist Anton Joseph Kirchweger zu erwähnen, dessen Werk: "Annulus Platonis oder Aurea Catena Homeri" auf den Schriften Agrippas fußt.
   Außer den angeführten Heilern haben zu allen Zeiten Adepten gelebt, die in der Stille ihren Mitmenschen Hilfe zuteil werden ließen; sie sind nur soweit bekannt, als sie Schriften unter ihrem wahen Namen hinterlassen haben.
 
Der Mensch nach der Alchimie

  Mittelpunkt für die Alchimie als Wissenschaft vom Leben ist der Mensch, er ist das Abbild der Welt, eine kleine Welt im Weltall, der Mikrokosmos im Makrokosmos.
   Hinter allen Erkenntnissen, allem Wissen steht immer der Mensch, stets ist er Subjekt, dem objektivierten Ich gegenüber ebenso, wie allen anderen Objekten. Der Mensch ist ein Dreifaches, wie das Weltall, er lebt auf drei Daseinsebenen, die den drei Welten entsprechen. Das Dreifache des Menschen ist der Körper, das Leben und der Wille, drei Grundprinzipien, deren jedes weiter drei Grade enthält. Diese Grade ergeben zusammen sieben, wie die sieben Grade der Welt, von denen der dritte Grad eines unteren Prinzips zugleich den ersten des nächsten Prinzips bildet. Paracelsus nennt die sieben Stufen oder Grade erstens den elementischen Leib, zweitens den Archaeus, Spiritus vitae oder Mumia und Lebenskraft, drittens den siderischen Menschen, Evestrum oder astralen Leib, viertens den tierischen Geist, fünftens die verständige Seele, sechstens die Geistseele und siebentens den höheren Menschen des Olympi novi.
   Von den drei Prinzipien läßt der tote Mensch nur das erste erkennen, den Körper, beim schlafenden Menschen sind zwei vorhanden, Körper und Leben, und beim wachen, tätigen Menschen drei, Körper, Leben und Wille oder Geist. Ebenso, wie die Prinzipien der Welt, sind auch die des Menschen nicht scharf voneinander getrennt, sondern gehen ineinander über.
   Für diese Siebenteilung des Menschen, wie sie Agrippa von Nettesheim in seiner "Okkulta Philosophia" und Paracelsus in der "Philosophia sagax" darlegten, gab Papus (Dr. Encausse) in dem "Traité Methodique de Science Occulte" ungefähr folgende Aufstellung:

I. Prinzip, der Körper, Nephesch der Kabbala

  1. Grad: Der materielle Körper. Er wird durch die verschiedentliche Tätigkeit des Leibes unterhalten und erneuert, deren Produkte durch die Blutflüssigkeit verteilt werden.
   2. Grad: Die Lebenstätigkeit des Körpers, das Eigenleben in den Zellen und kleinsten lebendigen Einheiten.
   3. Grad: Der Astralkörper, das belebende Prinzip des materiellen Körpers, die Vergeistigung des Blutes durch das vegetative Nervensystem. Er wird erhalten und erneuert durch die Tätigkeit der Lungen.

II. Prinzip, Astral oder Seele, Ruach in der Kabbala

   3. Grad: Die Materie des Astral, der siderische Mensch, sein mit dem großen Sympathikus in Verbindung stehender materieller Teil. Er ist das Abbild des materiellen Körpers in feinstofflicher Astralmaterie.
   4. Grad: Das Eigenleben im Astral, die tierische Seele im Menschen, seine Instinkte, seine Leidenschaften, sein Triebleben.
   5. Grad: Das belebende Prinzip des Astral, die verständige Seele, das denkende und bewußt handelnde Ich, Vermittler zwischen Körper und Geist.

III. Prinzip, der Geist, Neschamah

   5. Grad: Die Verstandesseele, Materie des geistigen Körpers, die Intelligenz, das Gedächtnis, die Gelehrsamkeit.
   6. Grad: Die Lebensfähigkeit des Geistes, die Geistseele, die innere Stimme, die höheren uneigennützigen Seelen- und Geistesregungen, die Intuition, bei den meisten Menschen erst im Beginn der Entwicklung, als Keim vorhanden.
   7. Grad: Die göttliche Seele, der höhere, "wiedergeborene Mensch des Olympi novi", das auf den Geist einwirkende göttliche Prinzip, die Weisheit.
 

 

Das Astral des Menschen und seine Aura

   Zwischen dem materiellen Plan, der Welt der Wirkungen, und dem geistigen Plan, der Welt der Ursachen, vermittelt der astrale Plan, dem die Seele des Menschen zugehört. Der Mensch hat nur eine Seele, nur eine denkende und handelnde Psyche, die sich sowohl auf materiellen, wie auf astralem und bei weit vorgeschrittenen Menschen sogar auf geistigen Plan betätigen kann.
   Einfache Äußerungen intuitiver Seelenkräfte sind Symphatie, Antipathie, Ahnungen, weiter dann Wahrnehmung der Aura, körperliche und geistige Durchschauung anderer, und in höchster Entwicklung bringen diese Kräfte Änderungen der für den menschlichen Organismus gültigen Gesetze.
   Auf materiellem Plan macht die Seele des normalen Menschen im wachen Zustand ihre Wahrnehmungen durch die Sinnesorgane, deren Eindrücke vom Gehirn aufgenommen, kontrolliert und auch aufbewahrt werden. Sie wirkt auch über das Gehirn, und steht stets in enger Verbindung mit dem Körper.
   Im Schlaf, aber auch bei medial veranlagten und furchtsamen Menschen im Wachsein ist die Verbindung der Seele mit dem Körper mehr oder weniger lose, sie kann sich im Traum, in der Hypnose, in der Ekstase, bei Sterbenden und bei manchen Menschen auch gewollt fast völlig vom Körper lösen. In diesen Fällen vermag die Seele oder das Astral unkontrolliert vom Gehirn und unbegrenzt durch Raum und Zeit alles wahrzunehmen, was sich auf der astralen Ebene abspielt. Dem Wachbewußtsein bleiben diese Wahrnehmungen entweder verborgen, oder sie erscheinen als vage Erinnerungen, Visionen, Halluzinationen und können, unbewußt im großen Sympathikus aufbewahrt, einen wesentlichen Einfluß auf den Menschen ausüben.
bewußtsein bleiben diese Wahrnehmungen entweder verborgen, oder sie erscheinen als vage
Erinnerungen, Visionen, Hualluzinationen und können, unbewußt im großen Sympathikus aufbewahrt,
einen wesentlichen Einfluß auf den Menschen ausüben.
   Das Astral und sein Körper, die Aura, ist der Sitz des leitenden Urprinzips. Alles in der Natur ist
daher lebendig, und nichts ist körperlich, das nicht einen ,,Spiritus'', einen Geist ein organisierendes
Prinzip in sich verborgen hätte
   Die sinnlich wahrnehmbare Substanz aller Wesenheiten der drei Naturreiche entsteht durch
Verdichtung feinstofflicher, vierdimensionaler Astralmaterie zu dreidimensionaler des Materiellen.
Alles, was wahrnehmbar im Stofflichen entsteht und ist, war vorher bereits und ist zugleich in
Astralmaterie vorhanden, und diese Astralmaterie umhüllt und durchdringt jeden stoffIichen Körper
als Aura.
   In den Mineralien ist das Astral die Mineral- oder Kristallseele, von Paracelsus Stannar oder Truphat genannt. Es wird nur langsam und unmerklich vom lebendigen Prinzip beeinflußt, weshalb die
Mineralien der mensch1ichen Beobachtung leblos erscheinen In den Pflanzen ist das Astral die
Pflanzenseele, von Paracelsus Lefias genannt. Sie ist empfänglich für die Emanationen des lebendigen
und lebenschaffenden Urprinzips, aber nicht für die höher schwingenden psychischen Wellen. Die
Pflanzen sind daher ohne Gefühl. Evestrum, wie Paracelsus die Seele des Tieres nennt, ist
aufnahmefähig für die lebendigen und psychischen Schwingungen, aber nicht für die hohen einer
Vernunft. Das Astral des Menschen empfängt sowohl die lebendigen, wie die psychischen
Emanationen und die der höheren Vernunft. Dem Menschen ist es in sein freies Ermessen gestellt,
sein Astral weiter aufnahmefähig zu machen für die höchsten Schwingungen des göttlichen Geistes,
um diesen in sich wirken zu lassen, die Vereinigung mit dem höchsten Prinzip und damit die
Unvergänglichkeit zu erlangen.
   Die Aura ist unter bestimrnten Voraussetzungen für den Menschen wahrnehmbar. Die
Aurastrahlungen des Menschen, die von dafür Empfänglichen bemerkt werden, konnte in neuerer
Zeit ein Arzt in London der allgemeineren Beobachtung zugängig machen. Durch Versuche fand er,
daß die Strahlen sichtbar werden, wenn man irgend eine Versuchsperson durch einen besonderen
Schirm betrachtet. Der Schirm besteht aus einer flachen, verschlossenen Glasflasche, die eine
alkoholische Dicyaninlösung enthält.
   Die durch diesen Schirm sichtbar werdende Aura wird beschrieben als farbiger, schwachleuchtender Brodem verschiedener Dichte und Form je nach den einzelnen Individuen, ihrem vorherrschenden Charakter, ihrem Temperament, ihrem Gesundheitszustand. Im allgemeinen erkennt man drei Zonen, von denen die erste eine dunkle Umrahmung von der Breite eines halben Zentimeters ist. Sie umgibt den ganzen Körper, hüllt ihn ein und verbreitert sich bei Krankheit und Neurosen. Ihre Struktur erscheint körnig mit Neigung zu Streifenbildung. Die zweite Zone hat eine Breite von zwei bis acht Zentimeter, sie umgibt die erste und verwischt sie stellenweise. Sie besteht aus senkrechten gebündelten Streifen ohne besondere Färbung und ist am äußeren Rand gewunden und ausgezackt. Die dritte, äußere Zone hat ebenfalls keine besondere Färbung und verläuft nach außen in den Raum.
   Während der Beobachtung sieht man verschiedene glänzende Strahlen auftauchen und wieder
verschwinden. Es sind erstens Strahlungen, die von einer Körperstelle auf eine andere derselben oder
einer benachbarten Person übergehen. Sie erscheinen als stark glänzende, bläulich vibrierende
Pünktchen. Eine zweite Strahlung geht von der inneren Zone rechtwinklig zum Körper aus bis an die
Grenze der äußeren Zone und macht den Eindruck elektrischer Funken. Drittens erscheinen hier und
da rings um den Körper leuchtende Punkte, die plötzlich auftauchen und ebenso schnell wieder
verschwinden. Versuche haben ergeben, daß diese Ausstrahlungen nicht polarisiert sind und sich
nicht bestimmen lassen, sie werden von einer Kraft hervorgebracht, die weder magnetisch,
noch elektrisch, noch radioaktiv ist. In der Allgemeinfärbung der Aurastrahlung konnten drei typische
Arten festgestellt werden: weiß bei solchen Versuchspersonen, deren Intelligenz den Durchschnitt
übertrifft, graublau bei mittelmäßiger Intelligenz und grau bei Intelligenzen unter dem Durchschnitt.
   Jenen Personen, die durch Veranlagung oder Ausbildung dieser Fähigkeit die menschliche Aura
erkennen, erscheint sie bedeutend reicher, wie die durch das materielle Hilfsmittel des
Dicyaninschirmes sichtbar werdende. Sie sehen sie als eine vielfarbige Hülle, die in jedem Augenblick
der Beobachtung die Synthese einer Unmenge von sekundären Auren ist, von Ausstrahlungen aller
Lebenselemente, Nerven, Zirkulationssystem, Verdauungssystem, Organe und Zellen.
   In dieser Unzahl lassen sich dann zwölf Strahlungsarten unterscheiden, entsprechend den zwölf
Strahlungsfeldern des Tierkreises und den zwölf Tönen der Tonleiter, sieben Töne der diatonischen
und fünf der chromatischen Jede dieser Auren ist veränderlich nach den temporären Modifikationen
des Bewußtseins, wodurch ein weiteres Wechselspiel in der Aura als Ganzes gesehen entsteht. Drei
Gruppen bieten in dem Strahlungs- und Farbendurcheinander einen Anhalt zur Unterscheidung, die
Gruppe der physischen, die der animistischen und die der mentalen Auren.
   Die Lebensenergie des Astral, die in ihm vorhandene lebendige Kraft des Ur-Prinzips bewirkte die
Involution, die Verdichtung zu Stoff, zum körperlichen Menschen. Nach dem leiblichen Tode bleibt
diese Kraft dem körperlosen Ich erhalten, sie wirkt weiter als Wille zum Leben, und dieser Wille
schafft unbewußt die Bedingungen zu neuen Inkarnationen. Sie erfolgen unter verschiedenen
Verhältnissen je nach den selbstgeschaffenen Bedingungen, nach der Rückwirkung derjenigen
astralen und geistigen Kräfte, die während eines Lebens in Bewegung gesetzt wurden. Diese Kräfte,
die der Mensch durch seine Gedanken, seine Triebe, Leidenschaften, Taten im irdischen Dasein
selbst bestimmte, formen sein Schicksal während der nächsten Verkörperung.
   Daß die fortschreitende Entwicklung bei den Wesen und bei den eizelnen Menschen verschieden ist, ergibt sich aus dem allgemein herrschenden Gesetz von der Ungleichheit. So übereinstimmend die
Geschöpfe in ihren Arten erscheinen mögen, ist doch jedes ein besonderes, unterscheidet sich von
allen anderen der gleichen Art, denn die Natur erschafft niemals Kopien, sondern stets Originale.
Jeder Mensch ist unterschieden von seinesgleichen, er hat seine eigene Welt, deren Mittelpunkt er ist,
und deren Horizont weiter oder enger ist je nach seiner bisherigen Evolution. Eine allgemeine
Gleichheit der Menschen zu fordern, ist ein Wahnkranker Gehirne, ein Blick um sich herum genügt, um zu erkennen, daß die Welt in allen ihren physischen und moralischen Erscheinungsformen vom Gesetz der Ungleichheit regiert wird.
   Jeder Mensch hat nach der sozialen und familiären Gruppierung seine bestimmten Pflichten, die er
erfüllen muß, bevor er Rechte beanspruchen kann. Diese Pflichten ergeben sich aus seiner Stellung im
Leben, und die Stellung wurde durch seine Handlungen in früheren Daseinsformen bestimmt.
   So lehrte die Alchimie als hermetische Philosophie mit der Selbsterkenntnis die Pflichterfüllung, und
die soziale Verschiedenheit der Menschen ist der Ausdruck der Verschiedenheit ihrer Pflichten. Nicht
das tatenlose Sichergeben in ein scheinbar unverdientes Geschick, das Hadern mit dem Schicksal,
das Sichabsondern sondern Pflichterfüllung je nach dem Platz, auf den der Einzelne gestellt wurde,
führt wahrhaft aufwärts, führt mit dem Aufstieg zu einem immer mehr sich erweiternden Pflichtenkreis
mit größerer Verantwortung, mit sich weitendem Horizont.
   Die individuelle Evolution aber bedingt den Tod, denn wenn auch oft scheinbar stillstehend und sogar rückwärtsführend, ist sie doch mit wenigen Ausnahmen eine fortschreitende Entwicklung nach oben, nach der geistigen Seite hin, ein Entfernen vom Materiellen. Der Geist war es, der den Körper
des Menschen bildete als sein Werkzeug für die Arbeit am Ich. Mit der sich ändernden geistigen
Beschaffenheit, mit der Entwicklung nach oben wird dieses Werkzeug ungenügend, es muß den
neuen Bedingungen entsprechend von Grund aus umgestaltet, durch den Tod zerstört und völlig neu
gebildet werden.
   So ungleich aber auch die Stufen der Entwicklung sein mögen, auf denen sich die einzelnen Menschen befinden, ein Band verbindet sie alle, in allen ist der Keim für einen neuen, wiedergeborenen Menschen, der "Odem Gottes", den er dem Menschen allein einblies nach der Darstellung der Genesis.
   Das Ich des Menschen inkarnierte sich unter den geeigneten, zur Zeit der Empfängnis herrschenden
kosmischen Emanationen, sie prägen die Grundanlage, die geistigen Eigenchaften, und entsprechen
der Stufe seiner bisherigen Entwicklung. Bei seiner Geburt empfängt der Mensch weiter den Einfluß
der zu diesem Zeitpunkt herrschenden Planeten und des aufsteigenden Tierkreisfeldes, er empfängt
ihn in dem Augenblick, zu dem seine Lungen zu atmen beginnen, womit die Verbindung dieses
Mikrokosmos mit dem Mäkrokosmos als selbständiges Lebewesen aufgenommen wird. Die
körperliche und seelische Anlage des Menschen, seine charakteristische Konstitution, zeigt sich im
Vorherrschen von einer der vier Elementareigenschaften warm, feucht, kalt und trocken, die zu-
sammen mit einer zweiten Elementareigenschaft das Temperament prägen. Die Konstitution ist der
Mensch selbst, sie ist bleibend, das Temperament ist die Art und Weise, wie er in Erscheinung tritt,
es ist veränderlich.
   Den vier Elementareigenschaften entsprechen vier Temperamente: das cholerische, warm, das
sanguinische, feucht, das lymphatische, kalt, das melancholisch-nervöse, trocken. In jedem
Temperament ist eine der vier Körperflüssigkeiten, der Humores, vorherrschend, in dem
warm-cholerischen die Galle, in dem feucht-sanguinischen das Blut, in dem kalt-lymphatischen die
Lymphe, der Schleim, und in dem melancholisch-trockenen die Schwarzgalle. Das cholerische
Temperament zeigt sich energisch, großherzig, ehrgeizig, verachtet das Geld, ist ein unermüdlicher
Arbeiter, aber leidenschaftlich, jähzornig und halsstarrig. Das sanguinische Temperament ist lebhaft,
lustig, großzügig, wird leicht heftig, ebenso schnell wieder besänftigt, ist aber auch flüchtig und
unbeständig. Das lymphatische Temperament ist phlegmatisch, unentschlossen, furchtsam, allen
größeren Anstrengungen abgeneigt und keusch aus Gefühlskälte. Das nervöse Temperament ist von
wechselvoller Stimmung, es geht allem auf den Grund, doch neigt es zu Traurigkeit,
Zornesausbrüchen und Furcht, ist grüblerisch und auch rachsüchtig. Jedes Temperament ist zu
bestimmten Krankheiten geneigt, das cholerische neigt zu Krankheiten, die durch Stauungen in Leber, Galle, Milz, Pfortadersystem entstehen, oft heftig sind und leicht chronisch werden. Das sanguinische
Temperament neigt zu Krankheiten durch Blutüberfüllung und-stauung, Kopfschmerzen, Herzklopfen,
Krampfadern, Hämorrhoiden, Schlaflosigkeit, Herz- und Blutgefäßentzündungen. Das lymphatische
Temperament neigt zu chronischen Erkrankungen des Drüsensystems, zu Skrophulose, Tuberkulose,
Katarrhen, Hautkrankheiten und Wurmbeschwerden, das nervöse Temperament zu Verstopfung,
Durchfall, Gefräßigkeit, Neurosen, Neuralgien, Lebensüberdruß.
 
 

Therapie, Pharmakologie und Pharmazie der Alchimie
 
   Die Alchimie ist als Heilkunst. zugleich Therapie, Krankheitsbehandlung, Pharmakologie, Arzneimittellehre und Pharmazie, Arzneimittelbereitung. In ihrer Therapie und Pharmakologie stützt sich die Alchimie auf die Astrologie, auf die hermetische Lehre von den Wechselbeziehungen zwischen den Welten, insbesondere zwischen der astralen Welt, der Welt der Seele und der Gestirne, und der irdischen mit ihren Geschöpfen, mit dem Menschen.
Für die Linderung und Heilung der menschlichen Krankheiten gebrauchte die Alchimie hauptsäch-
lich ihre Quintessenzen. Die Auswahl der Rohstoffe richtet sich nach den Signaturen, den Kennzeichen, die alle Wesenheiten aufweisen. Man bestimmte die Art einer Krankheit, dann den Planeten, der das erkrankte Organ regiert und das Tierkreiszeichen, welchem der erkrankte Körperteil Zuge-hört, um dementsprechend die Stoffe für die Bereitung der Heilmittel auszuwählen.
Nach der hermetischen Lehre von der Analogie zwischen Weltall und Erde mit ihren Geschöpfen weist jede irdische Wesenheit durch ihre Signaturen auf den Gebrauch, den der Mensch davon machen kann1). So entspricht beispielsweise die grüne Schale der Walnuß der äußeren Kopfhaut, die holzige Schale der Hirnschale, die beiden Kernhäute den Hirnhäuten, der Kern dem Gehirn. Auch die kleinen Blütenblätter der Päonie zeigen ein auf die Adern und die Hirnhaut weisendes Kennzeichen, und geben daher ein Heilmittel gegen bestimmte Gehirnerkrankungen, Epilepsie und an-deres. Dasselbe läßt sich von den Meerzwiebeln sagen, sie haben Kopfform. Das Haar- und Baummoos weist auf die Kopfhaare, ebenso die pelzige Schale der Quittenäpfel, deren Aufgüsse, als Einreibung gebraucht, das Wachstum der Haare fördern und das Ausfallen hindern. Die Haselwurz
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1) Baptista Porta. Magia Naturalis; Kircher: Oedipus Aegyptiacus; Crollius : Basilica Chymica, Tractatus de Signatura Rerum Interna.
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hat die Form des Ohres in ihren Blättern, sie stärkt Gehör und Gedächtnis, die Abkochung der Pflanze in Salzwasser bringt geschwächtes und verlorenes in Gehör wieder. Sturmhutblüten haben die Signatur der Pupillen, das aus ihnen destillierte Öl ist heilsam bei verschiedenen Augenleiden. Auch Ginster, Augentrost, Skabiosen, Kamillen, Grindkraut und Fingerhut haben auf die Augen weisende Zeichen. Die Blätter der wilden Minze haben annähernd Nasenform, ihr Extrakt bringt verlorenen Geruch wieder. Die Hauswurz läßt sich in ihren fleischigen Blättern mit dem Zahnfleisch vergleichen, sie heilt dessen Schäden. Bei anderen Arten des Zahnleidens hilft das Bilsenkraut, eine Abkochung von Persicaria in Essig heilt alle Zahnschmerzen und dasselbe wird von der Abkochung der Pinienkerne behauptet wegen ihrer Zahngestalt. Auf die Leber weisen Schwämme und Pilze, Pfifferlinge, Leberkraut und auch die Birnen. Herzsignatur zeigen Zitronenmelisse, Quittenäpfel, Mais und Borstengras; eine Signatur der Lunge hat das Lungenkraut, auf die Milz weisen Hirschzunge und Lupinen, auf den Magen die Wurzelknolle des Alpenveuchens, Ingwer und Galgant. Zeichen der Därme haben Kalmus und Kassienröhren, der Blase Alkekenge, Blasenschötchen, der männlichen  Geschlechtsorgane Knabenkrautzwiebeln, Knoblauch, Bohnen, Kichererbsen, Fichtenzapfen, Eicheln. Gegen die von den Franzosen Aiguilette genannte geschlechtliche Störung hilft eine Abkochung von Zichorienstrünken, gegen Scheidenentzündung eine solche von Habichtskraut. Leiden der Gebärmutter bessert nach der Analogie Osterluzei, auch die innere Haut der Birkenrinde mit ihrer Aderzeichnung, Muskatnuß und Granatäpfel. Auf die Nieren weist Portulak und Schachtelhalm, auf das Rückenmark Bärlapp, Farren, auf die Nerven Wegerich, auf die Haut Johanniskraut usw.

   Die Tierorgane entsprechen den gleichen menschlichen Organen, sie geben, alchemistisch bereitet, entsprechende Heilmittel, und es ist nicht ein Organ im Menschen, das nicht sein Analogon im Mineral-, Pflanzen- und Tierreich hätte, um nach der Bereitung das entsprechende Heilmittel darzustellen.
   Von den sieben Planetn der alten Astrologie beherrscht die Sonne die Blutzirkulation, das Herz, die Arterien, das rechte mänliche, linke weibliche Auge und den Sehnerv. Mineralien der Sonne sind Gold und Antimon, Drogen sind Moschus, Weihrauch, Bemstein, Safran, Honig und Gewürznelken. Die der Sonne zugeteilten Pflanzen sind mittelgroß, haben gelbe Blüten, einen aromatischen Duft und angenehm säuerlich schmeckende Früchte. Polygonum heut Herz-, Magenschmerzen und geschlechtliche Ausschweifungen, Euphrasia katarrhalische Augenentzündungen, Atenaria margaritacea Apoplexie, Fraxinus stärkt das Herz, Tamarix germanica ist hilfreich gegen Epilepsie und kräftigt das Gehirn, Melisse ist ein Tonicum, Enula campana in Wein behebt Asthma und stärkt die Sehkraft, Lorbeer ist giftwidrig und Zitrone reinigend.
   Der Mond wirkt auf das Gehirn ein, auf das linke männliche und rechte weibliche Auge, auf Magen, Därme, Brüste, Blase, Uterus, auf die Menses und andere Körperausscheidungen. Mineralien des Mondes sind Silber, Bergkristall und Perlen. Drogen sind Kampfer, weißer Sandal, weißer Bernstein, Mohn. Seine Pflanzen haben meist eigenartige Formen, weiße Blüten, die entweder geruchlos sind oder fade riechen, und haben Früchte, die geschmacklos sind, oder widerlich schmecken. Destillierter Saft aus Melonen heilt Fieber und innere Entzündungen, Mandragora heilt Rose usw.
   Merkur beeinflußt Hirn und Gedächtnis, Hände und Füße mit Fingern und Zehen, Zunge und Nerven. Seine Mineralien sind Quecksilber, Markasiten, Porphyr und Achat. Drogen sind Styrax, Benzoeharz und Eschensamen. Die Pflanzen, die dem Merkur zugeteilt werden, sind mittelgroß, oft gewunden, haben kleine, mehrfarbige Blüten mit unangenehmem Geruch und Früchte mit verschiedenerlei Geschmack. Die Quintessenz von Haselwurz stärkt Gehör und Sehkraft, die aus Majoran bereitete ist dienlich gegen Lethargie, Nervenschmerzen; Schlangenkraut heilt Asthma, Wacholder Koliken und Wassersucht, wohlriechender Klee Failsucht und Harnverhaltung.
   Venus wirkt auf Hals und Kehle, Brustwarzen, Unterleib mit Geschlechtsorganen, Nieren, Kiefern, Kinn. Mineralien sind Kupfer, Smaragd und Chrysolith, Drogen sind Moschus und Zibet. Die ihr unterstellten Pflanzen sind klein, haben schöne, große Blüten mit aromatischem Duft, süßschmeckende Früchte oder sie sind ohne Früchte. Die Rose heilt Gonorrhoe, Gebärmutter- und andere Entzündungen der weiblichen Geschlechtsorgane, und dasselbe gilt von den Seeblumen, die auch Priapismus, Schwindel und Brennen in der Leber beseitigen. Die Lilien heilen Leibaufblähung, Lähmungen und Schwerhörigkeit.
   Mars beeinflußt Gallenblase, Nieren, männliche Zeugungsorgane, Muskeln, Sehnen und linkes Ohr. Mineralien sind Eisen, roter Jaspis, Amethyst, Hyacyntb, Onix; Drogen sind Pfeffer, Ingwer, Nießwurz, Wolfsmilch, Schwefelblumen und Salmiak. Die Gewächse sind stachlich, dornig oder sie haben Brennhaare, sie sind klein mit kleinen, roten Blüten, und diese haben einen prickelnden, oft unangenehmen Geruch. Disteln heilen Brustfell-entzündung, ihr Same Dysentene, Brennesselblätter vertreiben Geschwülste, und ihr Same ist heilsam bei Brustfellentzündung und Schweratmigkeit.
Jupiter wirkt auf Lungen, Arterien der Luftröhre, Atmungsmuskeln und -nerven, Brustraum, Seiten, Zwerchfell, Leber und Venen. Mineralien sind Zinn, Saphir und Jaspis. Seine Pflanzen sind groß und voll, haben blaue oder helle Blüten ohne Duft, und süß oder säuerlich schmeckende Früchte. Betonie heilt Geschwüre, Balsamine Wunden, Ringelblume Gallenverstopfung usw.
   Saturn beeinflußt Knochen, Zähne, Milz, Blase, Hüften und das rechte Ohr. Mineralien sind Blei, Stahl, Pechkohle, Auripigment, Zinnober, Achat, Chalzedon, Topas. Drogen sind Resina Scammonii, Opium, Schwefel, Alaun; seine Pflanzen sind groß, trist, haben dunkle Blüten mit üblem Geruch und bittere, zusammenziehende und auch narkotische Früchte. Affodill, Hanf, Mandragora, Klette, Farn haben blutstillende Eigenschaft, Zypresse, Pinie, Tamariske und Eibe heilen Lepra, Blasenverstopfung, Milzleiden usw.
   Je nachdem sich die Planeten in einem der Zeichen aufhalten, werden entsprechende Erkrankungen ausgelöst. Besonders kennzeichnet sich diese Einwirkung, wenn sich der Mond in einem dieser Zeichen aufhält, weil er gewissermaßen als Sammellinse der übrigen PlanetenstrahIen zu betrachten ist. So zeigt sich sein Einfluß im Widder mit der Elementareigenschaft warm-trocken, Haus des Mars, auf den Kopf, auf Gehirn, Augen, Ohren, Nase, Mund, Zunge, Zähne, Haare. Heilstoffe sind außer den entsprechenden Tierorganen Paeonien für den Kopf, ebenso Nux moschata, Papaver, Agaricum, Lilium; für die Augen Scabiosa, Euphrasia für die Ohren Austernschalen, Schnecken; für die Nase Agaricum, Lycopodium; für die Zunge Cyno-glossum, Buglossum; für die Zähne Hyoscyamus, Chelidonium, Basilicum.
   Im Stier, kalt-trocken, Haus der Venus, bringt er eine Einwirkung auf Schilddrüse, Hypophyse, Thymus, Hals und Kehle. Heilstoffe geben die be-treffenden Tierorgane und Scrofularia.
   In den Zwillingen, feucht-warm, zeigt sich ein Einfluß auf Atmungssystem, auf Schultern, Arme, Hände und Brust. Heilmittel für die Schultern sind Enula campana, Hissopus; für Arme und Hände Calamus aromaticus, Palma Christi; für die Milchsekretion Lactuca sativa und Taraxacum.
   Im Krebs, kalt-feucht, Haus des Mondes, wird Brustraum, innerer Lungenflügel, Brustfell, Leber und Milz angegriffen. Heilmittel für die Brust sind Pulmonaria und Viscum Quercus; für die Milz Scolopendrium; für die Leber Lichen und Quercus. Gallen5tauung heut Crocus, Rheum, Absyntliium, AIe; gegen die schwarze Galle dienen alle Pflanzen mit violettem oder schwärzlichem Milchsaft, wäh-rend solche mit weißem Milchsaft Antiphlegmatica sind. Tierische Heilstoffe geben Lungen, Ziegen-und Taubenleber, Schafmilz.
   Im Löwen, Haus der Sonne, warm-trocken, wird das Blutsystem angegriffen, Blut- und Nervensubstanz, Magen, Zwerchfell, Rückenmark und Herz.  Blutungen heilen Runkelrüben  Fragaria, und alle Pflanzen mit rotem Saft, roten Stengeln oder Blättern.  Blutvergiftung beseitigen Schlan-gen, Spinnen und Skorpione.
   In Jungfrau, Haus des Merkur, zeigt sich der Ein-,fluß der Mondstrahlung auf Magenmund, Solarplexus, Pankreas und Därme.  Heilmittel geben Regenwürmer, für den Magen Aristolochia, für die Därme Cassia, Calamus, und Carminativa sind Lor-beer- und Ginsterbeeren, Kümmel- und Anis-samen.
   In Wage, warm-feucht, Haus der Venus, werden Nabelgegend, Weichen, Nieren, Blase, Keimdrüsen angegriffen. Diuretica sind Daucus carota, Humulus lupulus, Asparagus,  Symphitum, und alle Pflanzen mit blaßgelben Blüten und salzigem Geschmack; Blasen- und Nierenstein heilen Saxifraga und Mujum.
   In Skorpion, kalt-feucht, Haus des Mars, er-streckt sich der Einfluß auf die Geschlechtsorgane, Nase und Schlund, Nebennieren. Heilmittel geben neben den entsprechenden tierischen Organen die Orchideen Eicheln, Kichererbsen, und spermatisch wirken alle Pflanzen mit Milchsaft.
   In Schütze, warm-trocken, Haus des Jupiter; wird das Muskelsystem beeinflußt, Blutgefäße, Darmhäute, Gesäß, After und Schenkel. Heilstoffe geben Ruta, Scrof ularia.
   In Steinbock, kalt-trocken, Haus des Saturn, sind Knie, Beinnerven, Zellgewebe, Haut und
Schleimhäute bedroht. Heilstoffe sind alle Giftpflanzen.
   In Wassermann, warm-feucht, Haus des Saturn, werden Zellwände, Kniekehlen, Unterschenkel und Blutumlauf beeinflußt, Eine von den Heilpuanzen ist Geranium, Storchschnabel, in den rot und violett blühenden Arten.
   In Fische, kalt-feucht, Haus des Jupiter, sind Knöchel, Füße, Synovialkapseln, sehnige und fibröse Häute, sowie das Lymphsystem bedroht. Heilmittel geben alle Wasserpflanzen.
Der Kopf ist bedroht, wenn sich der Mond im Widder befindet, warm-trocken, die Füße, wenn er sich in den Fischen aufhält, kalt-feucht. Krebs, Jungfrau, Skorpion und Steinbock mit der Elementareigenschaft kalt wirken auf die linke Körperseite, Zwillinge, Löwe, Waage, Schütze und Wassermann mit der Eigenschaft warm auf die rechte. Nach dieser uralten Einteilung hat die rechte Körperseite die Elementareigenschaft warm, die linke kalt. Trocken und feucht wechseln ab, das Trocken-Feuchte der linken Seite ist schwächer, wie das der rechten, nämlich links kalt, rechts warm. Die Erfahrung bestätigt, daß die linke Körperseite empfindlicher ist, wie die rechte, und daß man den Kopf kalt, die Füße warm halten soll, um Störungen zu vermeiden.
   Die in einen Kreis nach ihrer Reihenfolge eingezeichneten zwölf Tierkreiszeichen stehen sich je zwei gegenüber und stehen auch gegenseitig in bestimmten Winkeln zu einander. Es weist dies auf Beziehungen, die zwischen den Zeichen und damit zwischen den von ihnen vertretenen Körperteilen und Organen bestehen.
   Krankheiten, die unter die einzelnen Zeichen fallen, sind in
Widder:Gehimleiden, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Nervenschmerzen und entzündungen,        Augenleiden, Ohrenleiden, Taubheit, Schwindel;
Stier:Halsleiden,Kropf, Krupp, Diphtherie, Apoplexie, Mandelentzündung,Stimmbandleiden;
Zwillinge:Bronchialleiden, Asthma, Pneumonien, Lungentuberkulose, Nervenleiden, Störungen in Armen und Händen;
Krebs:Verdauungsstörungen, Magenleiden, Wassersucht, Krebs, Bleichsucht;
Löwe:Herzleiden, Blutkreislaufstörungen, Ohnmacht, Halsleiden;
Jungfrau:Darmleiden, Durchfall, Verstopfung, Kolik, Tuberkulose, Cholera, Würmer, Bauch-fellentzündung, Anämie;
Wage:Nierenleiden, Stein, Diabetes, Nephritis, Blasenkrankheiten, Reißen in den Lendenmuskeln;
Skorpion:Blasen- und Geschlechtskrankheiten, Nierenbecken- und Kelchentzündung, Uterus-leiden, Harnverhaltung, Syphilis, Halsleiden;
Schütze: Husten, Hüftgelenkentzündung, Nerven-leiden, Gicht, Ischias;
Steinbock: Hautkrankheiten, Gelenkrheumatismus, Melancholie;
Wassermann: Blutverderbnis, Herzschwäche,
schlechte Säftezirkulation, Nervenleiden, Bleich-sucht, Krampfzustände;
Fische: Ödeme, Wassersucht, Drüsenleiden, Alkoholismus usw.
   Die zwölf Zeichen werden eingeteilt in vier Gruppen, Trigone, als
drei feurige Zeichen: Widder, Löwe, Schütze;
drei luftige Zeichen: Zwillinge, Wage, Wassermann;
drei wässrige Zeichen: Krebs, Skorpion, Fische;
drei irdische Zeichen: Stier, Jungfrau, Steinbock. Weiter ergeben die zwölf Zeichen drei Gruppen zu vier Zeichen, nämlich
vier Hauptzeichen: Widder, Wage, Krebs, Steinbock;
vier feste Zeichen: Stier, Skorpion, Löwe, Wassermann;
vier bewegliche Zeichen: Zwillinge, Schütze, Jungfrau, Fische.
Es bilden die zwölf Zeichen demnach eine Dreiheit, die ihren Ausdruck in einer Vierheit findet.
Die vier Zeichen jeder Dreiheit stehen zu einander im Geviert- oder im Gegenschein, sie bilden einen unharmonischen Aspekt, und damit wird es erklärlich, daß eine Krankheit, die unter das eine Zeichen fällt, auch in den damit durch den unhar-monischen Aspekt in Verbindung stehenden anderen Zeichen derselben Gruppe sich äußern wird je nach Konstitution und Temperament. So zum Beispiel Wassermann: Blutverderbnis mit mangelhafter Zirkulation, wirkt auf Stier: das Kleinhirn ist in Mitleidenschaft gezogen, weiter auf Skorpion: die Sexualfunktion ist beeinträchtigt, Löwe: es treten Herzstörungen, Rückenschmerzen auf, und Wassermann: Krampfzustände sind die Folge.
   Wage: chronische Nierenentzündung, bei der das Nierengewebe geschädigt wird, steht in Verbindung mit Krebs: Magen- und Darmleiden, Widder: Anämie und Augenleiden, und Krebs-Skorpion-Wage: Hautwassersucht tritt auf
   Diphtherie hat oft Herzschwäche und eine sich rasch entwickelnde Anämie: Stier-Löwe-Wassermann.
   Zwillinge: Lungentuberkulose, steht nicht selten im Zusammenhang mit Jungfrau: Darmleiden> die in der Jugend sich in Wurmbeschwerden äußern, und mit Fische: Drüsenleiden, und zeigt im Beginn den charakteristischen kurzen, trocknen Husten: Schütze.
   Neurasthenie, Widder, zeigt häufig Schlaflosigkeit: Widder, geschwächtes Gedächtnis: Widder und Krebs, sowie Kopfschmerzen infolge gastrischer Störungen.
   Die männliche Geschlechtsreife: Skorpion, zeigt sich im Stimmwechsel: Stier. Sondert die Haut reichlich Schweiß ab: Steinbock, so werden die Nieren entlastet: Wage, und so ließen sich noch viele Beispiele anführen.
   Auch der menschliche Organismus zeigt die drei Hauptprinzipien Schwefel, Merkur und Salz, und zwar in den drei Vierergruppen. Die normale Beschaffenheit dieser Prinzipien und ihres Verhältnisses zueinander bedeutet Gesundheit des Menschen, eine Änderung darin läßt Krankheiten entstehen.
Nach den Aufzeichnungen, die David de Planis Campy über die paracelsische Alchimie hinterlassen hat, sind diese krankmachenden Veränderungen verschiedener Art. Im Schwefel zeigen sie sich als Gerinnung, Entzündung und Auflösung.
   Die Gerinnung des Schwefels verursacht Gehirnerkrankungen, Schwindel, Apathie, Koma. Solche Schäden werden behoben durch "den warmen Schwefel der Sonne", eine Gold-Schwefel-Verbindung mit der Tinktur aus Convallaria und dem Öl aus Caryophyllum. Die Entzündung des Schwefels bildet die Ursache für putride und pestilenzielle Fieber, sie erzeugt Erysipelas, Gangrän, Phlegmone und Ophthalmien. Beseitigt werden diese Er-krankungen durch einen schweißtreibenden Schwefel, wie der aus dem Knallgold bereitete, der mit dem Salz aus Artemisia Absynthium zu mischen ist.
   Die Auflösung des Schwefels hat Dysenterien, Diarrhöen, Vomitus, Diabetes und andere unnormale Ausscheidungen zur Folge, die heilbar sind durch eine Mischung der Öle aus Caryophyllum und Citrum, oder durch das Oleum Petri mit der Konserve aus Pfefferminze.
   Veränderungen, denen der Merkur im Menschen unterworfen sein kann, sind Destillation, Sublimation und Präzipitation, die stets erst nach vorangegangenen Störungen im Schwefel und Salz entstehen.
   Eine Destillation des Merkur kann trocken oder feucht sein. Ist sie trocken, so erzeugt sie Blähungen, Koliken, Bauchauftreibung, Skropheln, Mandelentzündung und Wassersucht. Geheilt werden diese Schäden durch "das Primum Ens Hydrargyn" mit oder auch ohne die Essenzen von Hypencum und Acorus Calamus. Eine feuchte Destillation verursacht Apoplexie, Paralysen, Spasmen, Incubus und Tenesmus. Dagegen hilft das Öl aus dem Calomel mit Salbeiessenz.
   Die Sublimation des Merkur zeigt sich in Manien, Brustfell- und Lungenentzündung, Schwindsucht, Anthrax, Lepra, Lues, Pestbeulen oder Migränen. Geheilt wird dies durch das Bezoarticum minerale mit dem Salz aus Artemisia.
   Die Präzipitation des Merkur zeigt sich an Gliedern und Knochen, sie verursacht Gicht, Ischias, Knochenleiden. Ein Heilmittel bildet das durch Sublimation kristallisierte Quecksilber mit dem Extrakt von Helleborus.
   Das Salz hält Schwefel und Merkur zusammen, es hat koagulierende, läuternde und erhaltende Eigenschaft, doch bringt seine Destillation, Kalzination und Reverberation Schaden. Die Destillation zeigt sich durch Ödeme, Wasseransammlung in Bauch, Brust, Kopf und Fußen, als Diabetes und Kachexie. Man heut dies durch das "Primum Ens vegetabile", gegeben mit dem Extrakt aus Esula minor.
   Wenn das Salz im Körper kalziniert wird, so entsteht daraus ein Tartarus, der die Ursache für Gries- und Steinleiden bildet. Diese Krankheitserscheinungen werden durch das aus Bergkristall zu bereitende Salz geheilt, das mit dem aus Ononis spinosa destillierten  Wasser,  mit präparierten Krebsaugen oder mit Weinsteinöl gegeben wird.
   Das dekrepitierte Salz wird Ursache für Haut-schäden, Lepra, Skorbut, Elephantiasis, Ekzeme und dergleichen, was vom Balsam des süßen Schwefels, aus Schlangengift bereitet, mit Öl und Extrakt aus Guajacum und China geheilt wird.
   Die für die Bereitung der Heilmittel ausgewählten Rohstoffe aus dem Mineral-, Vegetal- und Animalreich haben ebenso, wie der Mensch, einen wahrnehmbaren Körper und einen nicht wahrnehmbaren, das Astral, und dies ist besonders bei den tierischen und pflanzlichen Stoffen zu beachten. Der stoffliche Teil enthält allerlei, was im Medikament überflüssig ist, was sogar eine wesentlich schädliche Wirkung auf den Menschen haben kann. Diese überflüssigen Teile müssen als Phlegma und Caput mortuum durch die Bereitung abgeschieden werden, und wenn dies sorgfältig auf alchimistische Weise geschieht, erhält man die Quintessenz.
   In der Quintessenz, dem fünften Wesen der vier Elemente, aus den Stoffen des lebendigen Pflanzen-und Tierreiches bereitet, vereinen sich dann alle feinstofflichen, heilwirksamen Teile. Durch die Putrefaktion wurden diese Stoffe auf naturgemäße Weise in ihre feinsten Bestandteile zerlegt, sie vermochte es, den Körper völlig aufzuschließen, löste die Zellen aus ihren Verbänden, befreite das Astral, das wirksame Prinzip jedes Wesens, und wurde Ursache für das Entstehen neuer Verbindungen, die jene Quintessenz bilden, das an die kleinste Menge des Feinstoffuchen gebundene Astral. Diese Quintessenz ist eine stark dynamisierte Lösung und als solche fähig, tief auf das Astral des Menschen als den Träger seiner Lebenskraft einzuwirken. Sie bewirkt in kleiner Dosis eine wahre alchimistische Transmutation, indem sie das Kranke, Unreine, Vergiftete in den reinen, gesunden Zustand verwandelt. Und diese Wirkung erzielt sie durch das Lebendige, das in ihr ist, nicht durch ihre chemischen oder physischen Eigenschaften.
   Den von allem Verweslichen befreiten und daher unbegrenzt haltbaren Quintessenzen wurde nicht nur eine weitgehende Heilwirkung zugeschrieben, sondern sie sollten den Organismus auch erhalten, vor Verfall bewahren und den alternden wieder verjüngen. Keine Quintessenz kann aber auch nur annähernd die heilende und erneuernde Wirkung des großen Universalelixiers erreichen, des "Aurum potabile". Viele Alchimisten, die nicht Adepten waren, haben geglaubt, ein solches Universalmittel aus dem Golde bereiten zu können, getäuscht durch den Ausdruck Aurum potabile. Die aus dem Golde bereitete Tinktur sollte besonders das Herz günstig beeinflussen, denn das Herz ist ebenso der Mittelpunkt für das Leben im Menschen, wie die Sonne, der Planet des Goldes, Mittelpunkt für das Leben in unserem Planetensystem ist. "Das Gold kräftigt das Herz durch seinen Magnetismus", sagt Kircher im "Mundum Subterraneum", "aber es nährt nicht, denn das ist die Eigenschaft der vegetabilen Drogen. Kein Mixtum kann uns nähren, wenn es nicht selbst vorher ein animales oder vegetabiles Leben in sich gehabt hat. Das Gold wirkt nur ebenso, wie die Edelsteine durch radioaktive Strahlung (radioso quodam effluvio)."
   Darum müssen der Tinktur des Goldes solche Elemente zugefügt werden, die lebendig sind und durch sich selbst wirken, Malven-, Melissen- oder Saffranwein wie Crollius lehrt. Auch den Weingeist wollte man durch eine lange, gelinde Putrefaktion zu einer Alkohol-Quintessenz erhöhen, die viele für ein Universalelixier hielten. Dieses "Lebenswasser, Aqua vitae" ist unzersetzlich, und hat keine Elementareigenschaften mehr. Es ist warm und trocken, wie das Feuer, und wärmt deshalb die Körper; es ist aber auch kalt und feucht, wie das Wasser, und kühlt die hitzigen Krankheiten. Es vermag vor Verwesung zu bewahren, und wenn es tote Körper erhalten kann, sagt Rupescissa, sollte es dieses nicht um vieles mehr bei lebendigen können? Er nennt dieses Lebenswasser einen Himmel, dem man Planeten zufügen solle, nämlich Tinkturen aus den sieben Planeten, den Metallen, oder aus den irdischen Sternen, den Pflanzen.
   Auf vereinfachte Weise bereitete man Metalltinkturen, indem man das betreffende Metall glühte oder schmolz, und es in Alkohol ablöschte, fünfzig und mehrmal hintereinander. Die aus dem Golde auf diese Weise bereitete Tinktur ist blut-reinigend und allgemein erneuernd, diejenige des Silbers heilt Auswurf, Schweiße, Gehirn- und Magenleiden, die des Zinns ist wirksam bei den Krankheiten der Leber, der Lungen, der Arterien, bei Gelbsucht, Gicht und Nervenstörungen. Die Tinktur aus dem Kupfer heilt Leiden der Geschlechtsorgane, der Eingeweide und Nasenlöcher, diejenige des Bleis Knochen-, Magen-, Nerven-, Blasen-, Augen- und Ohrenerkrankungen usw.
Gegeben wurden diese Tinkturen in kleinster Dosis und in einem nach Art der Krankheit ausgewählten Pflanzenvehikel.
   Von den vielerlei Heilmitteln, die von Paracelsus und seinen Nachfolgern in der von ihm zu neuem Leben erweckten und erweiterten Alchimie bereitet und verwendet wurden, sind außer den bereits von Planis Campy genannten noch erwähnenswert die verschiedenen Cathartica, Diuretica, Diaphoretica und Emetica, die Unreinigkeiten in den Körperflüssigkeiten, in den Humores beseitigen sollten-Krankhafte Störungen in den Temperamenten wurden durch die vier Arcana und die vier Temperantia beseitigt.
   Für das ,,Diaphoreticum Paracelsi" digerierte man Gold in einer Lösung von Antimonchlorid und Königswasser. Nach der Destillation wurde der Rückstand sorgfältig ausgewaschen und getrocknet, um bei Wassersuchten, Gicht und ähnlichen Leiden Verwendung zu finden. Ein weiteres Diaphoreticum war der Spiritus aus dem Weinstein, gebraucht gegen Syphilis, Paralysen und Leberleiden.
   Aus Kupiervitriol und Weinstein bereitete man das "Specificum purgativum Paracelsi", das bei den meisten Krankheiten wirksam war, um eine Entleerung und Reinigung zu erzielen.
Das Perlsalz gebrauchte man gegen Kontrak-turen, Lähmungen, Schlaganfall, Nieren- und Blasenstein, das Korallensalz als blutbildend und blutverbessernd gegen Bleichsucht, Verstopfung, und bei venösen Blutstauungen mit den damit in Zusammenhang stehenden Spasmen und Geschwüren.
   Das "Elixier proprietatis Paracelsi" galt als ein Mittel, alle Arten von Alterserscheinungen zu beseitigen, Migräne, Wechselfieber, Nierenleiden zu heilen, vor Lähmungen zu bewahren und das Leben zu verlängern.
   Andere Mittel sind das Turbith minerale, das Electuarium Antimonii, das Spanchymagogum, Spermatietim, Bezoarticum, Laudanum, Manna, Gillae Theophrasti, Asa und Phalcüda Basilii usw.
   Von den Metallen wurde das Salz Saturni in äußerlicher Anwendung bei Wunden und Augenkrankheiten gebraucht, die Quintessentia Antimonii gegen verschiedene schwere Leiden, bei denen auch der Mercurius vitae und das Vitriolum Solis, beides Präparationen aus dem Antimon, Verwendung fanden.
   Der Spiritus Jovis diente gegen Leberleiden, und vorn Oleum Jovis wurde gesagt, daß es "in suffocatione matricis remedium mirabile et efficatissimum" sei.
   Die Essentia Martis brauchte man gegen Ruhr, Nieren- und Blasenleiden, das Oleum Martis gegen Bruchleiden äußerlich.
   Weitere Medikamente waren das Hermaphroditicum Martis et Veneris, das Oleum Veneris, Aqua und Oleum Mercurii, die aus dem Golde bereitete Essentia Aun und der Liquor solis rubeus, sowie ein "Confortativum ac preaservativum sanitatis maximum". Aus dem Silber bereitet ist zu erwähnen der Liquor Lunae und die Essentia oder Anima Lunae, "gut den Maniacis und Phreneticis, so in dem Haubte verwirret seyn; die auch ein blöd und schwach Gedächtnis haben", und anderes.
   Bei ihren Bereitungen unterschieden die Alchimisten in Ermangelung eines Thermometers hauptsächlich sieben verschiedene Wärmegrade als Bäder. Der erste Grad ist das Wasserbad, Balneum Maris oder Mariae, B. M., das Verwendung findet für Putrefaktion, Zirkulation, Digestion und Dissolution. Der zweite Grad ist das Dampfbad, Wasserdampf, oder eine Grube mit fermentierenden Stoffen, Roßmist und dergleichen, für Digestion oder Zirkulation. Der dritte Grad ist das Aschebad, B.C., leicht trocken-warm, gemäßigt, gebraucht für Digestionen und langsame Destillationen. Als viertes folgt das Sandbad, B.R., für Destillation und Gerinnung, und das fünfte Bad ist das Eisenfeilbad, ebenso, doch in stärkerem Maße heiß-trocken, wie das Sandbad, für schwerere Destillationen und Sublimationen. Das sechste Bad ist das Kohlenfeuer, für Reverberationen und Sublimationen, und das siebente ist das Holzflammenfeuer für Schmelzen und Zementieren. Wasser-, Dampf-, Asche-und Sandbad hatten drei, Eisenfeilbad, Kohlen- und Holzfeuer vier verschiedene Grade.
   Von besonderen Geräten für alchimistische Bereitungen sind zu nennen Cucurbita mit Helm und Vorlage, Pelikan, Phiala, Diota für Zirkulationen, Aludel für Sublimationen und andere mehr. Als etwas Besonderes ist der Ofen für das große Werk zu erwähnen, der "Ofen der Philosophen", genannt Athanor, da das Feuer in ihm nicht ausgehen darf. Er wurde auch für Putrefaktionen benutzt und war bei den einzelnen Adepten verschieden eingerichtet, um eine dauernde, mäßige Wärme erzeugen zu können. Das eigentlich Wirksame im großen Werk ist das innere Feuer der Materie, das Naturfeuer, deshalb konnte Philalethes mit Recht sagen: "Wir haben nur ein Gefäß, einen Ofen, ein Feuer, und das alles ist nur ein Ding, nämlich unser Wasser."
   Die Verwendung tierischer Organe zu Heil-zwecken wurde von der Medizin in neuerer Zeit auf-genommen und hat als Organ- oder Opotherapie steigend Bedeutung erlangt. Man verwendet in erster Linie die endokrinen Drüsen, weiter dann aber auch andere tierische Organe in der Voraussetzung, daß auch sie bestimmte Agentien an die Blut- und Lymphbahnen abgeben, die nicht unnütze Stoffwechselschlacken allein darstellen, sondern die von anderen Organen aufgenommen und weiterverarbeitet werden, oder die anderen Organe in ihrer Tätigkeit anreizen oder hemmen.
Nach ihrer hermetischen Lehre von den Entsprechungen gebrauchte die Alchimie außer den Stoffen des Stein- und Pflanzenreiches stets auch solche aus dem Tierreich für die Bereitung ihrer Heilmittel1). Im Mittelalter blieben sie hauptsächlich auf tierische Auswurf- und Abwurfstoffe beschränkt, wie Klauen, Gehörn, Haare, zu denen dann noch Blut, Leber, Milz, Lungen gebraucht wurden.
   Die Alchimie führt ihre Kenntnisse auf diejenigen der ägyptischen Weisen zurück, und daß diesen Tierorgane und unter anderem auch die Hormone mit ihren Eigenschaften und Funktionen nicht unbekannt waren, geht aus einem ungefähr fünf-tausend Jahre alten Papyrus hervor, dessen vordem völlig unverständlicher Text erst neuerdings auf Grund der Forschungsergebnisse über die Hormonwirkung verstanden werden konnte.
   Die Bereitungsweise der Alchimie weicht von der gebräuchlichen ab, sie suchte das allein Wirksame, das Astral zu erhalten, und bearbeitete daher die organischen Substanzen entweder nach dem Quaternär: Putrefaktion, Separation, Purifikation, Union, oder vereinfacht nach dem Ternär: Putrefaktion, Zirkulation, Destillation
   Das höchste Ziel wahren alchimistischen Strebens ist das große Universalheilmittel, die "Tinctura Physica" nach paracelsischer Benennung, der "Stein der Weisen".
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1) Agrippa: Philosophia Occulta; Paracelsus: Archidoxa; Crollius: Basilica Chymica; Kircher: Mundus Subterraneus.
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   Es gibt nur dieses eine Meisterwerk, alles, was von einem besonderen vegetabilen oder animalen Stein berichtet wird, ist absichtliche Irreführung oder freie Phantasie Unwissender. Falsch ist auch die Ansicht, daß der "Merkur der Weisen" für etwas Gesondertes anzusehen sei. Nur auf Grund umfassender Kenntnisse konnte dieses Universal aufgefunden werden, und daß solche Kenntnisse in urfernen Zeiten vorhanden gewesen sind, bezeugt der Papyrus. Allerdings blieben sie auf einige wenige beschränkt und sind mit ihnen verschwunden, wie es aus den primitiven anatomischen und biologischen Kenntnissen des Mittelalters hervorgeht. Das große Werk selbst aber überdauerte die Jahrtausende.
 

 
Das große Meisterwerk der Alchimie
das Universalelixir, der Stein der Weisen
 
Das Meisterwerk der Alchimie ist die Verwirklichung des hermetischen Evolutionsgedankens, die Wandlung des Unreinen zum Reinen, des Niederen zum Hohen, des Unvollkommenen zum Vollkommenen, des Relativen zum Absoluten.
  Das große Werk ist universal, es umfaßt den materiellen, den astralen und den geistigen Plan, auf der materiellen Ebene ist es in allen drei Reichen wirksam, im Stein-, Pflanzen- und Tier-reich, und in ganz besonderem Maße im Menschen. Es bildet den Kern der hermetischen Philosophie und damit auch der Esoterik aller großen Religionen, es ist das Geschenk des Höchsten für den Menschen.
   Die Verwirklichung dieses Werkes im Stofflichen ist es, um die sich dann die Alchimie auskristallisierte, es ist das älteste und bestgehütete Geheimnis der Menschheit, "Das Geheimnis der goldenen Blüte des Höchsten Einen", "T'ai-I Kinn - Hoa-Tscheu".
   Viele sind der Meinung, daß die Angaben der Adepten über die Bereitung des Meisterwerkes, über die Darstellung im Stoff nur im übertragenen Sinne zu verstehen seien, daß sie einen Reinigungsvorgang im inneren Menschen bedeuten, seine Befreiung von allen ihn herabziehenden sinnlich-materiellen Trieben unter dem Bilde eines chemischen Arbeitsvorganges.
   Die ansteigende Ordnung der drei Prinzipien im Menschen zeigt den Aufstieg vorn Leiblichen, triebhaft-Sinnlichen über eine höhere Sinnlichkeit zum Geistigen, des sterblichen Menschen zum unsterblichen. Aufgabe des großen Werkes sei es, das wahre Ich aufzuzeigen, und dies durch Arbeit an sich zu vervollkommnen. Der Mensch lebt als eine Person, das heißt nach dem lateinischen persona, die Maske, die Rolle des Schauspielers, daß der Mensch während seines irdischen Lebens nach seiner sozialen Stellung eine Rolle spielt in der dazugehörigen Maske. Es ist dabei von geringer Bedeutung, ob dies die Rolle eines Königs ist oder die eines Bettlers, jede Rolle bietet ihm die geeignete Gelegenheit zu seiner weiteren Vervollkommnung. Ist das Leben beendet, so hat er die gegenwärtige Rolle ausgespielt, er legt seine irdische Maske ab, und übrig bleibt das eigentliche Ich, das wahre Selbst.
   Wie die Schlange des Paradieses dem ersten Menschen, so raunte bei den ägyptischen Mysterien eine verhüllte Gestalt aus dem Dunkel dem Neophyten ins Ohr. "Du kannst Gott sein, wenn Du willst!" Wenn Du willst -, die Mehrzal der Menschen will nicht, befangen in ihren Leidenschaften, verblendet von der Illusion der Materialität, von der Vortäuschung einer irdischen Wirklichkeit erkennen sie nicht den Zweck ihres Lebens.
   Doch das Geheimnis des Meisterwerkes liegt nicht in der Erkenntnis und in der Verwirklichung des seelisch-geistigen Aufstieges, sondern in seiner Ausarbeitung auf materiellem Plan. Wäre die Läuterung des Menschen der alleinige Sinn, so könnte es nicht universal genannt werden, auch wäre die Furcht der Adepten, in ihren Schriften von Unberufenen verstanden zu werden, überflüssig, denn der Weg zur Erkenntnis, zur inneren Vervollkommnung ist niemals verheimlicht worden.
   Aus den Schriften aller Adepten geht unzweifelhaft hervor, daß es sich bei dem großen Werk neben der geistigen Entwicklung um einen physischen Arbeitsvorgang handelt, daß es diese Arbeit an einer besonderen Materie ist, die mit einem dichten Schleier des Geheimnisses bedeckt bleiben soll ,Die Weisen kennen genugsam das Übel, und Unfug, das im menschlichen Leben und Gesellschaft daraus entstehen könnte, wenn die Erkenntnis dieses großen Geheirnnisses denen Gottlosen eröffnet würde: darum handeln sie nicht anders davon, als mit Furcht, und reden und schreiben davon in Räthseln, damit es nur von denen erkannt werde, deren Fleiß und Arbeit Gott segnen will" (Auslegung des Ritterkrieges).
   So heißt es im Flos Florum des Arnald de Villanova: ,,Si ad perfecturn magistenum pervenire volumus, aportet primo ut lapidem philosophorurn (materiam ejus note Libavius) purum et mundum habearnus acceptum, sicut est in sua minera: sublimare ipsum, ut ex eo trahamus quod purum est et darum. Postea oportet nos ipsum facere descendere, postea destillare, calcinare, solvere, coagulare, fixare, incerare (hoc est tota practica et reductio ad prirnam materiam note Libavius )." 2)
Aus einem anderen, von ihm als sehr alt bezeichneten Dokument führt Libavius noch diese Stelle an: "Homo noster antiquus est draco noster. hie comedit caput suum cum cauda sua. Et caput et cauda est anima et spiritus. Et anima et spiritus sunt creati de luto. Et hoc ex oriente et occidente per expellentem nocumenta."3). Bei Zosimos heißt es in der Übersetzung: "Indem man Merkur nimrnt, macht man ihn fest mit dem metallischen Körper der Magnesia." Merkur nennt er das göttliche Wasser, worüber er sagt: "Dieses Wasser hat zweierlei Farben, weiß und gelb. Man nennt göttlich das Wasser des Schwefels, man nennt göttlich den aufschwebenden Dampf, der von unten nach oben steigt. Ohne das göttliche Wasser kann nichts geschehen, mit diesem wird das Werk unternornmen, gewärmt, gebrannt, figiert.'
   Ein anderer alter Text sagt: "Um den wahren Sinn zu verbergen, haben die Verfasser das Objekt der Wissenschäft durch die gebräuchlichen Bezeichnungen zu erkennen gegeben, aber sie haben stets umschreibende Namen gebraucht für die Substanzen, die zum Werke nötig sind."
   Arnaldus de Villanova, Ros. I,6: "Denn es ist nur ein einziger Stein, eine einzige Medizin, welchem nichts fremdes zugesetzt, auch nichts daran vermindert wird ohne allein, daß man das Überflüssige davon absondert."
   Derselbe Ros. II,17: "So erscheint es ganz erklärlich, daß demnach die Philosophen in dem die Wahrheit gesagt haben, ob es schon den Toren und Narren unmöglich zu sein bedünket, daß nämlich nur ein einiger Stein sei, eine einige Medizin, eine Anordnung, ein Werk, ein Gefäß, beides den weißen und roten Schwefel zugleich und auf einmal zu machen."
   Nach hermetischer Überlieferung ist das älteste Dokument über das große Werk die Tabula smaragdina. Dieses Dokument wird von Albertus Magnus erwähnt, die Forschung führt es auf die griechischen Hermetiker von Alexandria zurück, da es sich bei diesen zuerst nachweisen läßt. Sicher ist diese Inschrift aber auf ägyptische Eingebung zurückzuführen, auch wenn sie von den Griechen zuerst aufgezeichnet wurde. Der Text der Smaragdtafel lautet aus dem Lateinischen übersetzt.
   "Wahrhaftig und ohne Unwahrheit, gewiß und auf das Allerwahrhaftigste ist es, daß das, was unten, ist gleich dem Oberen, und das, was oben, ist gleich dem Unteren, wodurch man Wunderzeichen eines einzigen Dinges erlangen kann.
   Und gleichwie alles von einem allein erschaffen wurde durch den Willen eines Einzigen, der es zuvor bedachte, also entsprießen und kommen alle Dinge von diesem Einen durch Anpassung. Die Sonne ist sein Vater, der Mond seine Mutter, der Wind hat ihn in seinem Bauche getragen, seine Ernährerin ist die Erde. Dieser ist der Vater aller Vollkommenheit der ganzen Welt, seine Kraft ist ganz, wenn er in Erde verwandelt ist. Du sollst das Erdreich vom Feuer scheiden, das Feine vom Groben, ganz lieblich mit großem Verstand. Es steigt von der Erde zum Himmel und vorn Himmel wieder auf die Erde, und empfängt die Kraft des Oberen und Unteren. Wenn Du dieses vollbracht hast, wirst Du die Herrlichkeit der Welt besitzen, und alle Finsternis wird von Dir weichen. Dieses ist von aller Stärke die allerstärkste Stärke, denn es überwindet alle subtilen und flüchtigen Dinge, und durchdringt alles, was fest ist. Also wurde die Welt erschaffen, und durch den Gebrauch dieses einen Dinges werden die wunderwürdigsten Sachen verrichtet. Deswegen werde ich genannt Hermes, der Dreifachgroße 1), weil ich die drei Teile der Weisheit besitze. Es ist alles erfüllt, was ich zu sagen habe vom Werk der Sonne."
   Eliphas Lévi (Abbé Constant), der große französische Kenner hermetischer Wissenschaft, sagte von der Tabula smaragdina: "Nichts übertrifft und nichts kommt als kurze Übersicht über alle Doktrinen der alten Welt jenen. wenigen Sprüchen gleich, die von Hermes auf einen Edelstein graviert wurden und unter dem Namen Smaragdtafel bekannt sind."
   Die Smaragdtafel ist nach der Überlieferung der Adepten ein Ausdruck jener Kenntnisse, welche die Weisen eines in großen Kataklysmen untergegangenen Erdteils besaßen. Sie wurde von einem Überlebenden, genannt Hermes, einigen Auserwählten des nicht betroffenen Erdteils übermittelt und kam auf die Ägypter. Ob diese Tradition begründet ist, läßt sich mit Sicherheit nicht mehr
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1) Merkur, der dreifach ist, da er Merkur, Schwefel und Salz enthält.
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nachweisen, doch sprechen verschiedene Tatsachen für die Möglichkeit.
   Danach erscheinen die auf der Tafel des Hermes niedergelegten Gedanken ebenso, wie diejenigen, die der Sphinx mit ihrer tiefen Symbolik und den Pyramiden zugrunde liegen, als übriggebliebene Zeugen für die hohe geistige Entwicklung einer Menschheit, deren Existenz derjenigen der bisher für die Ursprungszivilisationen gehaltenen weit voranging.
   Diese alten Zivilisationen, die assyrische, ägyptische, indische, diejenigen Perus, Mexikos waren keine vollständigen, schlossen nicht alle Zweige des Wissens gleichwertig in sich ein. Sie zeigen sich auf einigen Gebieten vorgeschritten, auf anderen dagegen auffallend primitiv.  Ihre Philosophie, Mathematik, Astronomie, oder ihre Bau- und Bildhauerkunst nötigen uns noch heute Bewunderung ab, andere Gebiete des Wissens und seiner Anwendung in der Technik standen aber dazu in keinem Verhältnis durch ihre Rückständigkeit, oder sie fehlten auch völlig. Daber können diese Zivilisationen nicht als Errungenschaft einer sich fort-schreitend entwickelnden Kultur angesehen werden, sondern sie erscheinen als wenig zusammenhängende Überreste einer hohen, umfassenden Kultur, die vor ihrer Zeit vorhanden gewesen sein muß, und die plötzlich und so gut wie vollständig vernichtet wurde.
   Jener Teil, der durch den sagenhaften Thot oder Hermes auf die koptischen Priester-Weisen Ägyptens gekommen war, fand bei diesen verständnisvolle Pflege und Ergänzung, er befähigte sie, Lehrer aller der noch heute berühmten Gelehrten des Altertums zu sein, die ihnen das Wissen verdankten, das ihre Namen für alle Zeiten unsterblich gemacht hat
   Alle Adepten der verschiedenen Zeiten stimmen in ihren Angaben darin überein, daß das Geheimnis des großen Werkes das Geheimnis Gottes sei, über das er eifrig wacht, daß der Verrat an Unberufene seinen höchsten Zorn hervorrufen würde. Es sei die Gabe Gottes, nicht die eines Menschen, niemand sei daher berechtigt, die ihm gewährte Kenntnis weiterzugeben, Gott allein habe es sich vorbehalten, sie dem zu verleihen, den er erwählte, der ihn darum bittet Wer sich daher berufen fühle, dieses Mysterium zu erlangen, der suche das Oratorium auf vor dem Laboratorium, das ist aller Adepten aufrichtiger Rat: ORA-AUDI-LABORA-TORIUM.
   Den Wert der Kenntnis des großen Meisterwerkes beschreibt Morienus mit folgenden Worten: "Wer Gott und diesen Stein hat, der hat alles, und bedarf keines anderen Hilfe: denn in ihm ist alle zeitliche Glückseligkeit, Gesundheit und Wohlsein. Sein Geist und Kraft, so in ihm verborgen, ist der Geist des fünften Wesens, der unter dem Kreis des Mondes schwebt: er beschließt die ganze Welt in
sich, und überwindet die Elemente. Die höchste ü